Und ewig grüßt das ABS…

… mit freundlichem Blinken der beiden ABS-Warnlampen. Momentan steht die Kuh zerlegt im Stall, das ABS macht mal wieder Probleme. Diesmal streikt es dauerhaft, das ist gar nicht gut.

Ab hier wird es jetzt etwas technisch (daher steht dieser Artikel auch in der Rubrik TECHNIK). Aber keine Sorge, die nächste Tour kommt bestimmt.

Meine Kuh (R 1100 GS, Bj.97) hat das ABSII von FTE. Das übliche Blinkproblem nach dem Anlassen habe ich schon lange mittels Aus-Taster in der Leitung zu PIN 15 gelöst. Seit dem neuen Anlasser muss ich da nur noch höchst selten mal draufdrücken. Aber nun gibt es ein anderes Problem:

• abwechselndes Blinken sofort nach dem Einschalten der Zündung
• keine Auffälligkeiten bei der letzten Tour davor, Selbsttest des ABS war da wie immer
• Fehlerspeicher meldet Fehler 5 (Unterspannung), ausgelesen mit LED
• Reset/Löschen scheinbar möglich, danach beide Lampen permanent AN
• Fehler ist beim nächsten Zündung EIN sofort wieder da
• Batteriespannung 12,7 V bei Zündung EIN ist ok.
• Bei der Messung in den 25-pol. Stecker rein ist für mich alles plausibel.
• keine Korrosion am Stecker, mehrfach reingesteckt und rausgezogen
• ABS-Relais und Elektromotor im Hydroaggregat arbeiten einwandfrei (bei 12V an PIN 19)

Soweit deutet das für mich auf einen Defekt in der Elektronik des ABS hin. Bei BMW kostet ein komplettes neues ABS-Modul inkl. Druckmodulator mit Einbau so um die 2.000 €, reparieren dürfen die das nicht. Aber einfach alles neu kann ja jeder. Bevor ich jetzt viel Geld ausgebe, möchte ich den Fehler wirklich wissen oder wenigstens weiter eingrenzen.

Fehlercode ABS II Beschreibung
Code 1 Druckmodulator vorne
Code 2 Druckmodulator hinten
Code 3 Radsensor vorne
Code 4 Radsensor hinten hinten
Code 5 Unterspannung, wird autom. gelöscht
Code 6 ABS Warnrelais
Code 7 Fehler ABS-Elektronik
Code 8 Störung durch äussere Einflüsse, wird autom. gelöscht
Code 9 ABS-Warnlampe (?)
Code 16 Kolbenfehler
Wie wird der Code ausgelesen? LED mit Vorwiderstand 3,3 kOhm zwischen PIN 2 Diagnosestecker und Batterie + schalten, Anzahl der Blinkimpulse zählen
Wie wird der Fehlerspeicher gelöscht? Zündung EIN, PIN 2 Diagnosestecker auf Masse, ABS-Taste drücken und 20 Sek. halten, ABS-Taste loslassen, beide Lampen sind nun permanent AN, Zündung AUS, 20 Sek. warten.


Ich habe die Elektronik mal ausgebaut und an eine Reparaturfirma für Steuergeräte geschickt. Ergebnis: kein messbarer Fehler, alle Bauelemente ok, Prozessoren arbeiten, Takt stabil, 5V Spannung stabil. Einige Lötstellen wurden nachgearbeitet und Oxidationen entfernt. Leider gibt es dort keinen Simulator für das Motorrad bzw. das Hydro-Aggregat, so dass die Elektronik nicht wirklich realistisch getestet werden konnte.

Seit heute habe ich das Teil wieder und gleich am Motorrad probiert: Alles unverändert :(

Die ausgebaute Elektronik habe ich mit einer Motorradbatterie (12,8 V) an den entsprechenden Pins mal mit Spannung und Masse versorgt. Ergebnis ist genau wie immer:

1) Fehlercode 5 Unterspannung, ABS Warnlampe blinkt (hier nur eine LED)
2) Fehlerspeicher löschen
3) ABS Warnlampe blinkt nicht mehr (also hat Löschen geklappt)
4) Spannung für 30 s wegnehmen
5) einschalten, Fehlercode 5 wieder da

Damit kann ich nun eigentlich Kabelbaum und Stecker endgültig ausschliessen. Die erfolglose Reparatur hat mich 65,00 Euro gekostet, das ist fair, bringt mich aber auch nicht weiter. Ich gehe davon aus, dass auch das Hydroaggregat selber ok ist. Also mal eine gebrauchte Elektronik auftreiben…

Vom ABS II gibt es verschiedene Baureihen und je nach Motorradmodell unterschiedliche Codierungen. Wie die wohl miteinander kompatibel sind? Ein freundlicher Program Manager der Firma FTE (der Hersteller) gab mir dazu folgende Info:

“Wenn sie die “Ersatz” Elektronik montiert haben, müssen Sie sie, vermutlich in einer BMW Werkstatt, auf Codierungsübernahme setzen, dann ans Motorrad anschließen und dann wird die Software für die GS installiert. Grundsätzlich sind die Elektroniken bei ABS II austauschbar.”

Mittlerweile habe ich ein gebrauchtes Hydroaggregat bekommen und die Elektronik umgebaut.

Im “Labortest”, also nur mit Versorgungsspannung und Massecodierung, kommt der Fehlercode 6: ok. In der Kuh eingebaut kommt zuerst Code 7 und dann Code 8: auch ok.

Also auf zum Freundlichen. Es ist schon erstaunlich, wie wenig Ahnung die von ihren Geräten haben. Der sehr hilfsbereite Serviceberater hätte Haus und Hof gewettet, dass die Elektronik nicht in irgendeiner Weise umcodiert oder umprogrammiert werden kann, ausser durch die externe Massebelegung. Zitat “Sowas haben wir noch nie gemacht, das kann unser Diagnosegerät auf keinen Fall.”

Ich habe dann zusammen mit einem Azubi am Diagnosecomputer gestanden und siehe da, es gibt doch einen Menüpunkt zur Umcodierung, siehe Anleitung in der Box. Hat prima funktioniert, Lampen blinken nun wieder synchron. Selbsttest ok, ABS-Regelung einwandfrei. Bin lange nicht so zufrieden da vom Hof gefahren…

Damit nimmt die Geschichte nun doch ein Happy End. :) Gesamtkosten unter 200,00 €.

 

ABS II interne Codierung ändern
Zusätzlich zur modellabhängigen externen Codierung über die Masseleitungen sind die einzelnen ABS-Einheiten intern codiert. Das könnte automatisch geschehen wenn eine NEUE Einheit verbaut wird. Doch wenn eine gebrauchte Einheit in ein anderes Fahrzeugmodell gebaut wird, kann die interne Codierung falsch sein und sich nicht durch einen einfachen Reset beheben lassen. Als Fehlercode wird sofort nach dem Einschalten der Zündung „Code 8“ angezeigt, die ABS-Lampen blinken abwechselnd.

Man kann das mit dem BMW-Diagnosecomputer wie folgt ändern:
Mit „Geführte Diagnose, ABS II Toolbox“ wird sich der Fehler „falsche Codierung“ ergeben.
Wenn man im Menü dazu aufgefordert wird, Zündung einschalten.

Auswahlmöglichkeiten:
1) die externe Codierung (Masseanschlüsse, Kabelbaum) prüfen oder
2) die interne Codierung der Einheit prüfen.

Bei 2) zeigt das Diagnosegerät die aktuelle Codierung in Form des Motorradmodells an, z.B. „Modell R1150 R / R 850 R“ oder so ähnlich.
Dann wird man gefragt ob man umcodieren möchte. OK auswählen. Nach erfolgter Umcodierung (dauert nur etwa 1 Sekunde) Zündung aus und fertig.

Im Zweifelsfall den Fehlerspeicher löschen und das ganze nochmal wiederholen.

Die Kommunikation mit dem Diagnosegerät erfolgt nur über den 3-poligen Diagnosestecker. Was da genau über die Leitung geht weiss vermutlich keine BMW-Werkstatt der Welt. Das verwendete Diagnosegerät ist ein GT1 von Siemens. Hier noch ein paar Infos zu dem Teil:

 


BMW group tester one (GT1) is offered to the aftermarket in the same specification that is currently supplied to BMW franchised dealers. It is special-purpose tool of BMW Series.

Gt1 is supplied with a Pentium based laptop PC on a Windows platform connected to a high specification communications and measurement interface.

GT1 can complete coverage of ALL BMW systems. One thing that can only be done using the GT1, this function is called Electronic Control Unit (ECU) programming and configuration. Many of the original electronic systems on modern vehicles can now be re programmed using software; historically any changes to rectify software problems would involve a new ECU which would be purchased from the parts department and that is the only way that the independent market today is able to overcome these problems. The BMW GT1 system allows you re programme all BMW car ECU’s to fix software or to install a blank ECU to a repaired vehicle.

Test functions:
Read faulty code ,clear faulty code ,data stream .activate state,programming ,component test ,maintenance data information ,components location ,wiring diagram etc…,TIS AND DIS ARE SUPPLY all of system diagram of all of BMW car, Components location, maintainence method and coding information etc.

direkter Link zu diesem Artikel: http://www.asiabike.de//2014/mal-wieder-das-abs/

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Ein Wochenende in Italien

Eine schöne Tour für ein langes Wochenende mit 4 Tagen. Anreise 559 km vorbei am Rheinfall in Schaffhausen,über den Julierpass und den Malojapass. Hinter den Alpen spürt man schon das Mittelmeerklima, es riecht überall nach Kräutern. Unsere Basis für die nächsten beiden Tage ist das Campeggio Rivabella in Lecco. Sehr schöner Zeltplatz direkt am Wasser und wir können zu Fuss in die Stadt gehen. Am zweiten Tag unternehmen wir eine kleine Rundfahrt um einen Teil des Sees bis Varenna und mit der Fähre rüber nach Bellagio. Zwei hübsche kleine Orte die zum Verweilen einladen.

Die Rückfahrt geht über den Splügenpass, ein weiteres Highlight der Tour. Oben im See treiben noch die Eisschollen und es weht ein kühler Wind.

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back home – Fazit

Ich bin wieder zu Hause. Nun wird es am Ende einer solchen Reise Zeit für ein kleines Fazit, beginnend mit ein paar hard facts:

Reisezeit: 4 Monate, Mai – August 2013

gefahrene Strecke: ca. 22.000 km

Benzinverbrauch BMW: 1105 Liter bei 65 Tankstops, Durchschnittsverbrauch 4,9 Liter / 100 km

höchster Benzinpreis: Türkei, 1,98 Euro / Liter

niedrigster Benzinpreis: Iran, 0,16 Euro / Liter

Ölverbrauch: ca. 2,5 Liter, kein Ölwechsel unterwegs

Kosten der Reise: ca. 4.700,- Euro (ohne Ausrüstung, inkl. 1.090,- Euro für Benzin)

Kosten zus. Krankenversicherung: 276,- Euro

Kosten Carnet des Passages: 195,- Euro

Pannen / Schäden: linker Koffer etwas verbeult und linker Blinker beschädigt (Erinnerung an Schlammpiste in Albanien), Handbremshebel in Istanbul ausgetauscht, beide Lampen Zusatzscheinwerfer in Georgien ersetzt, Hinterreifen auf der Krim geflickt (Nagel drin)

Reifen: Wechsel in Istanbul. Heidenau K60 Scout von Istanbul bis zum Schluss gefahren (über 19.000 km) und noch ok., seit der Krim mit Flicken.

Route: 18 Länder (Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Türkei, Iran, Aserbaidschan, Georgien, Armenien, Nagorni-Karabach, Russland, Ukraine, Polen, Slowakei, Tschechien).

Die einzelnen Abschnitte unserer Tour gibt es hier auf zoombaren Karten.

Wir haben das Beste aus der problematischen Situation in Pakistan gemacht. Auch im Nachhinein war unsere Entscheidung richtig, nicht weiter durch Pakistan und Indien zu fahren. Ramadan, Polizeieskorten, Temperaturen von 45 Grad und nach wie vor das Risiko von Attentaten reduzieren den Spass erheblich. Der Karakoram Highway und die Berge drumherum laufen nicht weg, wir kommen wieder!

Visa: 3 Visa (Iran, Aserbaidschan, Russland), für alle anderen Länder ist kein Visum erforderlich oder man bekommt es an der Grenze. Weitere Infos gibt es hier.

Team: tolle, ganz unterschiedliche Tourpartner, wir hatten zusammen viel Spass und waren ein gutes Team.

Leute: viele kurze, aber schöne Begegnungen beim Tanken, in Restaurants und Hotels, auf Campingplätzen, einfach so auf der Strasse, bei einer Einladung zum Tee oder der freundliche Gruss aus dem fahrenden Auto (welcome to Iran…) Viele hilfsbereite Leute, wenn wir irgendwas gesucht haben, last but not least die grenzenlose Gastfreundschaft der Iraner.

Ebenso viele nette Bekanntschaften, von denen einige sicherlich auch bleiben. Motorradfahrer und andere Reisende unterwegs, Hostel-Personal, Familien, bei denen wir eingeladen waren und teilweise auch gewohnt haben, Leute, die wir in fremden Städten kennenlernten und mit denen wir eine gute Zeit hatten, oder die uns einfach nur den Weg zeigten. Siehe auch die Fotocollage unter Faces.

Fazit: Aufwand und Kosten für eine solche Reise lohnen sich auf jeden Fall. Für mich war es die erste längere Motorradreise und auf der Rückreise habe ich viele neue Länder kennengelernt. Das Highlight der Tour war ohne Zweifel unsere Zeit im Iran (mehr als 1 Monat), wo wir auch das Geschehen rund um die Wahlen in der islamischen Republik beobachten konnten. Gut war, dass wir nicht NUR Motorrad gefahren sind, sondern auch Zeit hatten, mal ein Tage wo zu bleiben, wo es uns gut gefallen hat. Es wird sicherlich Fortsetzungen dieser Tour geben, Ziele stehen noch nicht fest, Ideen gibt es genug :)

Weitere facts in Kurzform gibt es auf der Seite Länder-Logbuch


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Durch Slowakei und Tschechien nach Hause

Krakau war die letzte neue Stadt auf dieser Tour, an jetzt beginnt praktisch die Heimreise. Der Rückweg um das schwarze Meer war wirklich interessant und wir haben viele spannende Dinge erlebt.

Ich verlasse Krakau Richtung Süden, vorbei an Zakopane überquere ich die Grenze in die Slowakei. Dazu muss ich nicht einmal anhalten. Ich tanke in Zdiar und fahre dann die obere Strasse an der hohen Tatra entlang. Hier in den Bergen ist es ziemlich frisch, das Thermometer fällt bis auf 12 Grad. Als es wieder abwärts geht nach Liptovsky Mikulas kommt auch die Sonne wieder und es wird wärmer. Ich bleibe eine Nacht auf dem tollen Campingplatz am See (Maracamping) und geniesse nochmal das schöne Wetter mit Bergpanorama.

Der nächste Tag ist nochmal viel Motorradfahren, über 570 km Landstrasse bis nach Pilsen. Dort komme ich gegen 18 Uhr an und übernachte auf dem Campingplatz, wieder an einem kleinen See gelegen. Von dort kann man prima mit der Tram in die Stadt fahren. Abendessen wieder bei U Mansfelda mit leckerem Pilsener Urquell. Auf dem Campingplatz lerne ich Uwe und seinen Freund kennen. Uwe ist auch mit dem Motorrad aus Dresden unterwegs, nur übers Wochenende. Am nächsten Morgen fahren wir zum Frühstück in die Stadt, ich komme erst um halb zwei wieder los…

Die restlichen 400 km bis Stuttgart sind Standardstrecke, gegen 20 Uhr bin ich wieder zuhause und kann meine Viktoria in die Arme nehmen :)

Dieser Blog wird natürlich fortgesetzt mit weiteren Abenteuern. In Kürze folgt noch eine Auswertung dieser Asientour mit ein paar Facts und Zahlen.

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Krakau

Während Derek und Marco sich in Lviv um eine neue Kette kümmern, fahre ich schon mal vor nach Polen zu unserem letzten gemeinsamen Ziel Krakau. Das von mir ausgesuchte Hostel hatte mir geschrieben, dass sie ausgebucht sind, also habe ich ein Bett im Deco Hostel gebucht, was sich als gute Wahl herausstellte. Nettes Personal und ein ganzes 4-Bett Zimmer für mich allein. Die Motorräder parken direkt vor der Tür und Frühstück gibt es auch.

Krakau stellt sich als sehr touristisch raus, aber das war zu erwarten in dieser Jahreszeit. Dafür gibt es aber jede Menge gute Restaurants und richtig gute Kneipen. Am nächsten Tag mache ich eine lange Tour zu Fuss und hake erstmal die Sehenswürdigkeiten in der Altstadt ab. Das ist in erster Linie rund um den Marktplatz und auf dem Wawel Hill. Danach ziehe ich weiter nach Kazimierz, das jüdische Viertel und über die Fussgängerbrücke nach Podgorze. Hier wandere ich durch die beiden Gettos und besichtige das kleine, aber feine Museum in der Pod Ortem Apotheke. Diese war 24 Stunden geöffnet und ein wichtiger Treffpunkt und Anlaufstelle für die Juden im Getto.

Abends gehen wir alle zusammen essen in einem guten Restaurant in Kazimierz, das wird unser Abschiedsessen. Morgen werde ich in die Slowakei weiterfahren, Marco und Derek wollen das Wochenende in Prag verbringen.

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Lviv

Unser Hostel in Lviv ist nicht gerade der Hit, aber die Lage ist sehr zentral und wir können die Bikes in der grossen Durchfahrt zum Innenhof parken. Dieses ist unser letzter Stop in der Ukraine. Es ist Sonntag abend, das Wetter ist prima und die Stadt ist voller Leben. Auf dem grossen Platz in der Stadtmitte wird auf einer kleinen Bühne Tang getanzt. Alle Strassencafes und Restaurants sind gut besucht. Da die Stadt wesentlich kleiner als Kiev ist, fallen die Touristen hier mehr auf.

Am Montag mache ich einen sehr ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt und besuche auch die Sehenswürdigkeit Nr.1, den alten Friedhof (Lychakivske Cemetery), der auch Père Lachaise von Osteuropa genannt wird. Den Abend verbringe ich mit Derek und Marco, wir gehen Pizza essen und trinken noch das ein oder andere Bier.

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Kiev – Independence Day

Wir bleiben 4 Nächte in Kiev, um den Unabhängigkeitstag am 24.August mitzuerleben. Ausserdem ist Kiev eine lebendige, interessante Stadt, wo so schnell keine Langeweile aufkommt. Mir kommt es sehr europäisch vor, wie eine Mischung aus Berlin, Prag und ein wenig Paris. Unser Hostel ist sehr ruhig und etwas ausserhalb vom Stadtzentrum, nicht die perfekte Wahl. Aber mit dem Trolleybus sind wir schnell im Zentrum, es gibt einen Supermarkt um die Ecke und unser Zimmer ist ok. An einem Abend verabreden wir uns mit Jane, die wir in Tiblisi kennengelernt haben. Sie läuft immer noch mit Gips rum und besucht nun einen Russischkurs in Kiev. Nach dem Abendessen trinken wir das ein oder andere Bier in einem kleinen Park, wo wir später auch Julia und ihren Freund kennenlernen. Zusammen mit weiteren Freunden fahren wir schliesslich in eine Wohnung in einem Hochhaus und machen eine spontane Wodkaparty. Dazu kaufen wir an einem Kiosk 2 Flaschen Wodka, Apfelsaft, fette Würstchen (die später gebraten werden) und ein paar Snacks. Es wird ein sehr lustiger Abend. Ich weiss noch, dass wir irgendwie mit einem Taxi nach Hause gekommen sind…

Am Independence Day gibt es abends zum Abschluss ein schönes Feuerwerk. Sonntag morgen ist das Wetter kalt und grau, aber wir müssen weiter. Es sind heute ungefähr 550 Kilometer bis nach Lviv. Im Laufe des Tages kommt die Sonne raus und die meist langweilige Autobahn wird dann doch noch erträglich.

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Urlaub auf der Krim

Der kleine Ort Schokilde war eine gute Entscheidung, wir bleiben noch für eine weitere Nacht. Hier ist nicht so viel Rummel wie bei unserem letzten Stop und an der Südküste ist sicher auch viel mehr los. Es gibt schöne Strände, gute Restaurants und sogar eine open air Bühne mit Live Rock am Abend.

Seit einigen Tagen befindet sich in meinem hinteren Reifen etwas, was dort nicht hingehört. Mit Hilfe eines Motorradfahrers finde ich den kleinen Autoservice im Ort, der mir in weniger als 30 Sekunden die Sache repariert. Den gleichen Stöpsel habe ich auch im Gepäck, aber für weniger als 2 Euro mache ich nicht mal den Koffer auf :) Ich hoffe, das das jetzt bis nach Hause hält.

Als nächsten Übernachtungsstop haben wir das Tartarendorf Bakhchysarai gewählt. Das liegt nicht direkt an der Küste, aber von hier können wir Touren in die Umgebung unternehmen und haben ein nettes homestay mit Frühstück. Im Ort selber besichtigen wir den Khan Palace und wandern abends durch das Iosofatova Valley zu dem alten Karaiten Friedhof in einem Wald unterhalb vom Plateau. Tausende von moosüberwachsenen Grabsteinen mit hebräischen Inschriften stehen oder liegen hier mitten im Wald. Gespenstisch.

Ein Tagesausflug mit den Motorrädern führt uns zunächst an die Küste zur Festung von Balaklava (Titelfoto). Über die tolle Küstenstrasse fahren wir bis Yalta und zurück nach Sevastopol und wieder nach Hause. Ein vollgepackter Tag mit vielen Eindrücken.

Am folgenden Tag verlassen wir die Krim und fahren in 2 Etappen nach Norden Richtung Kiev.

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Weiter zur Krim

Da wir ja nur ein 10-Tage Transitvisum haben, müssen wir uns nun leider von unseren neuen Freunden verabschieden, was nicht leicht fällt. Heute werden wieder ordentlich Kilometer gemacht, das Tagesziel heißt Rostov am Don. Nach Euphrat und Tigris haben wir nun auch die beiden grossen Flüssse Wolga und Don mal gesehen. Mit etwas Detektivarbeit finden wir das Hostel in einem riesigen Wohngebiet mit gigantischen Plattenbauten etwas ausserhalb der Innenstadt. Kein Schild, nichts. Wir versuchen mal ein paar Klingeln und stehen schliesslich vor der richtigen Tür auf dem 5.Stock. Und siehe da, in der kleinen Wohnung befindet sich wirklich ein Hostel. Ein Bett im 4-er Zimmer ist mit 450 Rubel (etwa 10 Euro) recht günstig. Von hier fahren Marschrutka (Kleinbusse) für 17 Rubel in die Innenstadt. Rostov ist eine der grössten Städte Russlands, dementsprechend gross ist die Auswahl an Restaurants, Bars etc. Es gibt ein paar schöne Alleen und eine Promenade am Fluss.

Nach zwei Nächten hier geht es dann weiter in den Süden an die Küste. Wir verbringen eine weitere Nacht in dem totalen Touriort Gelendzhik. Hier ist echt die Hölle los, nicht unbedingt unser Geschmack. Dann geht es weiter zur Grenze, wo wir die Fähre rüber zur Krim in die Ukraine nehmen. Inklusive Fährfahrt (30 Minuten) dauert diese Grenze ein paar Stunden, bis wir endlich weiterfahren können. Im GPS finde ich einen Campingplatz in Schokilde an der Nordküste am Asov’schen Meer. Dieser ist spottbillig, die Übernachtung kostet grade mal 15 Rubel. Dafür gibts auch keine Dusche. Aber wir haben das Meer und ein nettes kleines Beachrestaurant mit kühlem Bier, das passt schon.

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3 Tage in Volgograd


Nach einer langen Tagesetappe Richtung Norden erreichen wir schliesslich Volgograd, sicher auch unter dem alten Namen Stalingrad (aha) bekannt. Das sind definitiv wieder andere Entfernungen hier als in den kleinen Kaukasusländern. Auch die Temperaturen erinnern wieder an den Iran, fast den ganzen Tag haben wir mehr als 30 Grad beim Fahren. Mittagspause in einem kleinen Restaurant an der Strasse. Der Besitzer kommt aus Kalmückien, also ist das Essen etwas asiatischer als sonst in Russland üblich, sehr lecker. Die Strasse ist unerwartet gut und so schaffen wir die knapp 700 km an einem Tag.

Nachdem wir das etwas versteckte “Local Hostel” mit Hilfe zweier sehr netter “Locals” gefunden haben, beginnt eine angenehme Zeit in der Stadt. Khak? Ganz einfach, die Erklärung heisst Nastya, sie ist eine der netten Hostel-Managerinnen. Am ersten Abend sitzen wir beide auf dem Balkon und erzählen Reisegeschichten (Google translate machts möglich…) und lesen in meinem Blog. Sie lädt uns ein, am nächsten Tag gemeinsam die Stadt zu erkunden, was wir dann auch tun. Das Thema in Volgograd ist fast ausschliesslich die gewonnene Schlacht um Stalingrad. Entsprechend viele Denkmäler und Statuen gibt es dazu.

Wir besichtigen natürlich das grosse Mahnmal “Motherland Calls” auf dem Mamai Hill. Danach gehen wir in das Panorama Museum, was sich dem gleichen Thema widmet. In verschiedenen riesigen Wandgemälden sind die Soldaten in der Schlacht dargestellt. Ein ziemlicher Wahnsinn, was hier vor etwa 70 Jahren geschehen ist. Schön, dass es heute im Zeitalter von Globalisierung und Internet viele private Kontakte auf beiden Seiten gibt, wir geniessen es. Andrew, ein Freund von Nastya kann übersetzen und so haben wir einen interessanten Tag, der nach einem Restaurant und verschiedenen Bierlokalen in einer echt coolen Kneipe endet, die wir ohne die beiden nie gefunden hätten.

Am Montag nachmittag fahren wir gemeinsam mit den Motorrädern zum Strand auf der anderen Seite der Volga. Dort gibt es einen breiten Strand und wir schwimmen eine Runde in der Volga. Dann kochen wir zusammen im Hostel und spielen in Nastyas Sportclub noch Tischtennis, bevor wir noch das ein oder andere Bier trinken gehen. Ein perfekter Tag. Danke an Nastya, Andrew und das Hostelteam.

Спасибо за отлично проведенное вместе время!

 

 

 

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