Shiraz und Persepolis

In Shiraz finden wir das Zand Hotel ĂŒber GPS-Koordinaten. Die Fahrt in die Stadt ist Stop und Go bei 40 Grad, daher freuen wir uns erstmal ĂŒber eine Dusche. Wir bleiben zwei NĂ€chte hier, das sollte ausreichen. Shiraz ist die Stadt der berĂŒhmten Schriftsteller Hafez und Saiid, hat uns aber ansonsten (nachdem wir in Esfahan waren) nicht so recht ĂŒberzeugt. Es gibt viele GĂ€rten, schöne Moscheen und einen sehr fotogenen Basar, besonders bei abendlichem Licht vor Sonnenuntergang.

In die nÀchste Tagesetappe nach Yazd bauen wir noch den Besuch der antiken StÀtten von Persepolis ein. Auch heute fahren wir wieder mit Marco und Derek zusammen, wir sind schon ein ganz gutes Team. Die Besichtigung in der Mittagshitze dauert knapp zwei Stunden, dann gehts weiter. Nachdem wir die Autobahn endlich verlassen, geht die Strecke durch die Berge. Plötzlich haben wir innerhalb weniger Minuten einen Temperatursturz von 38 auf 26 Grad, herrlich. Das kommt nicht nur durch die Höhe, es muss irgendeine Klimascheide sein.

Im Silkroad Hotel treffen wir Martina und Patrice, mit denen wir schon seit einiger Zeit per Email in Kontakt sind. Sie sind mit ihren beiden Kids im Bulli nach Sumatra unterwegs.

Aktuell denken wir ĂŒber Ausweichmöglichkeiten fĂŒr Pakistan nach. Marco und Derek wollen eventuell ĂŒber Turkmenistan weiterreisen, Heiko und ich können theoretisch eine Schiffsverbindung nach Mumbai nehmen, aber ob der Stress wirklich lohnt? In jedem Fall werden wir mal unser Iran Visum verlĂ€ngern.

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Camping am Wasserfall

Dienstag, 25.6.

Genau eine Woche waren wir jetzt in Esfahan, wie die Zeit vergeht. Die ErkĂ€ltung ist noch nicht ganz auskuriert, aber uns zieht es jetzt wieder auf die Strasse. Mit Marco und Derek zusammen nehmen wir unser letztes FrĂŒhstĂŒck im schattigen Innenhof ein. Wir werden das “Have a good time, my dear” vermissen. Wer schon mal im Amir Kabir war, weiss, wer gemeint ist.

Mit vier MotorrĂ€dern (die beiden fahren 650er TenerĂ©s) nehmen wir heute eine fantastische Strecke durch die Berge bis Yasui in Angriff. Die Temperaturen bewegen sich trotz der Höhe immer zwischen 30 und 40 Grad. Auf der Karte entdecken wir in der NĂ€he von Yasui einen Wasserfall, da mĂŒsste man doch schön campen können. Gesagt, getan. Über eine kleine Strasse, die nicht mehr in OSM ist, finden wir den stark besuchten Wasserfall gerade noch rechtzeitig, bevor alles im Schatten liegt. Nebenan gibt es ein privates Camp, perfekt. Diesmal nicht kostenlos, wir haben mit dem Besitzer sogar eine Preisdiskussion. Der zuerst verlangte Preis pro Platz erscheint uns viel zu hoch, aber am Ende einigen wir uns noch. Da es hier kein Restaurant gibt, beschliessen wir etwas einzukaufen und zu kochen. Das machen hier wohl alle so, denn es gibt einige StĂ€nde, die Lebensmittel verkaufen. Es gibt Reis mit Tomaten, Zwiebeln und Eiern, zum Nachtisch Wassermelone. Die Zelte bauen wir wieder auf den Betonplattformen auf. Dummerweise habe ich die Hilti fĂŒr die HĂ€ringe nicht dabei. Es ist sehr schön, nach so vielen Tagen in einer grossen Stadt mal wieder in der Natur zu sein.

Mittwoch, 26.6.

ZunÀchst ist die Strasse noch ein Traum. Wir erreichen bei angenehmen 26 Grad einen Pass auf 2900 Meter. Dann geht es wieder etwas bergab und wir folgen spÀter der Hauptstrecke nach Shiraz. Der Verkehr wird dichter, es wird heiss. In der Stadt geht es nur noch im Schritttempo vorwÀrts. Alle staunen, was wir denn hier mit unseren dicken Motorradklamotten in der Hitze machen. Schliesslich erreichen wir dank exakten GPS Koordinaten das Zand Hotel und fahren direkt in den Innenhof, wo wir parken können.

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Zeit fĂŒr Plan B?

Hotel in Nordpakistan: Bewaffnete töten neun Touristen

DPA
Sie stĂŒrmten in ein Hotel und eröffneten das Feuer: Unbekannte haben in einem Hotel in Nordpakistan mehrere Menschen getötet – neun auslĂ€ndische Touristen und einen Einheimischen. Die Gewalttat ereignete sich am Basislager des Nanga Parbat.

Peschawar – Unbekannte haben im Norden Pakistans neun auslĂ€ndische Touristen und deren einheimischen FĂŒhrer umgebracht. FĂŒnf Ukrainer, drei Chinesen und ein Russe seien in einem abgelegenen Hotel nahe des Basislagers am Nanga Parbat erschossen worden, teilte die Polizei mit. Der Berg ist ein beliebtes Ziel fĂŒr auslĂ€ndische GĂ€ste. Es ist unklar, ob die Touristen den Berg besteigen oder nur das Basislager besuchen wollten.
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A Pakistani militant group known as Jundullah claimed responsibility for the attack. “These foreigners are our enemies and we proudly claim responsibility for killing them and will continue such attacks in the future as well,” Jundullah spokesman Ahmed Marwat told Reuters by telephone.

The same group has claimed reponsibility for a series of attacks on members of the country’s Shia Muslim minority, in northern Pakistan, including an ambush in February 2012 when gunmen shot 18 bus passengers by the roadside.

The gunmen fled after the attack on the hotel, which took place at about 1 am on Sunday, Sher said. A senior government official said a large number of security personnel had been sent to the area.

“Since the area is very remote with no roads or transport, the bodies will have to be retrieved by helicopter,” the official said.

Gilgit-Baltistan, which borders China and Kashmir, had been considered one of the more secure areas of Pakistan, but has witnessed a spate of attacks by militants targeting members of Pakistan’s Shia minority in recent years.

It was the first time foreign tourists had been attacked in the province, which is famous for its natural beauty. Pakistan receives few foreign tourists, but a trickle of visitors is tempted by the spectacular mountain scenery in its northern areas, where the Hindu Kush, Karakoram and Himalaya mountain ranges converge.

Damit hat die Gewalt in Pakistan eine neue Dimension erreicht, erstmals seit lĂ€ngerer Zeit werden Touristen gezielt ermordet. Und das in einer Region, die bisher als relativ sicher galt. FĂŒr uns Anlass, ĂŒber eine mögliche RoutenĂ€nderung nachzudenken. Indien werden wir dann wohl nicht erreichen können, aber leider auch nicht die Bergwelt des Karakorum Highways.

Wir werden zunÀchst morgen wie geplant durch die Zagros Mountains nach Shiraz weiterfahren.

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Esfahan – Die Perle Irans

Dienstag, 18.6.

Wir kommen gegen 11 Uhr in Hamedan weg und wollen mal schauen, wie weit wir es heute schaffen. Die Strecke ist besser als erwartet, wir mĂŒssen nicht zurĂŒck bis zur Autobahn. Stattdessen fahren wir eine angenehme Strecke, die teilweise durch die Berge bis zu 2600 m Höhe fĂŒhrt. Die Temperaturen bewegen sich den ganzen Tag um die 30 Grad, das kann so angenehm sein. Wir werden die 500 km bis Esfahan heute locker schaffen. Erst kurz vor Ankunft wird es langsam aber stĂ€ndig wĂ€rmer. Wir merken sofort, dass Esfahan eine riesige, sehr schöne und moderne Grossstadt ist, die drittgrösste Irans. Nach kurzer Suche haben wir das Amir Kabir Hostel an der Hauptstrasse gefunden und fahren die Bikes sofort auf einen grossen, abgeschlossenen Parkplatz. In einer Querstrasse finden wir ein kleines Restaurant, wo es das standardmĂ€ssige Döner gibt. Die Stadt ist in Feierlaune, ĂŒberall hupende Autos mit iranischen Flaggen. Heute ist die Qualifikation zur Fussball-WM in Brasilien mit einem Sieg gegen Korea der Grund.

Mittwoch, 19.6. – Montag, 24.6.

Esfahan ist eine Stadt zum Staunen und Geniessen. Wir verbringen die Zeit hier mit der Besichtigung von Moscheen, Kirchen, Basaren und den vielen tollen Strassen, GeschĂ€ften und Parks. Gegen Nachmittag und zum Sonnenuntergang zieht es uns meist zum Imam Square, zum Fluss mit seinen tollen alten BrĂŒcken oder nach Jolfa, dem armenischen Viertel. An diesen PlĂ€tzen ist es sehr angenehm und entspannt, wir kommen mit zahllosen, ganz unterschiedlichen Menschen ins GesprĂ€ch. Oft sind es Studentinnen, die ein GesprĂ€ch mit einem zaghaften “Hi” und etwas Gekicher anfangen. Wir lernen auch einen Literaturprofessor und einen coolen Iraner kennen, der in Moskau arbeitet. Auf dem Imam Square spielen wir mit einem iranischen Friseur und seiner Familie Karten, danach unterhalten wir uns mit ein paar MĂ€dels auf dem Platz noch bis weit nach zwei Uhr nachts. Zur Übersetzung wird immer wieder das Smartphone gezĂŒckt, aber es funktioniert auch so.

Mittlerweile sind auch Marco und Derek im Amir Kabir Hostel eingetroffen. Wir wollen am Dienstag zusammen weiterfahren.

Samstag abend verabreden wir uns mit den beiden Maryams, die wir in einem Restaurant kennengelernt haben, zum Essen.

Hey, this text is for you. We enjoyed the time with you and it was great to check out some special places in Jolfa. I wish you good luck for your future plans and hope to meet you again one day.

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Drei Tage bei Freunden – bahal family

Samstag, 15.6. – Montag 17.6.

“Bahal” bedeutet soviel wie “lustig, fröhlich” und das trifft die Sache ganz genau.

Die meiste Zeit verbringen wir mit Nakisa, ihrem Bruder Shayam und den Eltern. Nachmittags zum Essen kommt noch die Schwester, ihr Mann und das Baby. Wir haben viel Spass zusammen, lernen neue Vokabeln (Deutsch, Englisch, Farsi) und lachen sehr viel. Am Montag steht ein Ausflug zu den Alisadr Caves auf dem Programm. Entgegen der ursprĂŒnglichen Planung nehmen wir doch das Auto, da wir nur zu fĂŒnft sind. Als wir erstmal aus der Stadt raus sind, fĂŒhrt die Strecke durch eine trockene HĂŒgellandschaft, wo an manchen Stellen z.B. Kartoffeln angebaut werden. Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Höhlen und machen erstmal ein ausgiebiges Picknick mit Brot, Tee, sehr leckeren mit Zwiebeln gekochten Zuchini und Joghurt. Danach besichtigen wir die riesige Wasserhöhle. Mit Booten befahren wir den grössten Teil der Höhle. Nicht schlecht, aber ich schliesse mich dem Lonely Planet an: overrated. Anschliessend besuchen wir noch kurz Bekannte in dem kleinen Dorf nebenan, wo wir Tee und Obst angeboten bekommen. Es wird auf jeden Fall ein sehr schöner Tag mit unserer Gastgeberfamilie. Die RĂŒckfahrt geht wieder durch die weite HĂŒgellandschaft in der Abendsonne, dazu alte persische Musik aus dem mp3-Autoradio, ein Traum. Am Abend kommt noch eine Tante von Nakisa vorbei, die ist oberlustig. Wir haben viel Spass und lachen den ganzen Abend nur.

Die Verabschiedung am Dienstagmorgen fĂ€llt schwer, aber wir mĂŒssen weiterreisen. Wir werden auf jeden Fall in Kontakt bleiben.

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Bei 40 Grad ĂŒber den Mond

Samstag, 15.6.

Heute soll es weitergehen, aber vorher haben wir noch ein paar Dinge auf dem Programm. ZunĂ€chst besorgen wir uns in der Metrostation zwei SIM Karten von Irancell. FĂŒr zwei Euro bekommen wir zwei Karten inklusive Guthaben, das ist nicht schlecht. Dann haben wir noch ein Date mit Niloufar aus der couchsurfing community. Gestern abend wollte sie nicht rausgehen, aber heute scheint alles ok zu sein. Um zwölf sind wir an der Metrostation verabredet. NatĂŒrlich warten wir an unterschiedlichen EingĂ€ngen, aber jetzt haben wir ja ein Telefon. Sie kommt mit einem Freund und wir setzen uns in einen keinen Park in den Schatten. Wir quatschen fĂŒr etwa eine Stunde mit ihnen. Sie ist verheiratet, Hausfrau und lebt weit draussen im Norden am Anfang der Berge. Ihr Englisch ist perfekt und sie ist wirklich funny and open minded, so wie in ihrem Profil stand.

Nun mĂŒssen wir aber wirklich los, denn wir haben noch ĂŒber 300 km zu fahren, und das bei fast 40 Grad. Gegen drei kommen wir endlich aus der Stadt raus und fahren zum grössten Teil ĂŒber die Autobahn bis Hamedan. Der erste Teil aus Teheran raus und die sogenannte Landstrasse machen gar keinen Spass. Es ist höllisch heiss und an jedem speedbreaker ist Vollbremsung und VorbeidrĂ€ngeln angesagt. Wir fahren auf die Autobahn und die restlichen Kilometer sind wesentlich angenehmer. Bei immer noch knapp 40 Grad fliegt eine karge, mondĂ€hnliche Landschaft an uns vorbei. Dörfer, StĂ€dte und die Farbe grĂŒn sind kaum zu sehen. Ab und zu ĂŒberqueren wir einen kleinen Fluss oder Kanal, der meist zu so einer Art Oase fĂŒhrt. Beim Tanken rufen wir nochmal Nakisa an, um zu sagen, dass es etwas spĂ€ter wird und wir noch ĂŒber 200 km zu fahren haben. Leider versteht sie 2 km und so wartet unser Abholer am Ortseingang etwas lĂ€nger als nötig. Schliesslich werden wir von Nakisas Bruder und einem Freund auf dem Motorrad durch die Stadt gelotst und parken die Bikes in einer grossen Garage, super. Wenig spĂ€ter gibts auch schon sehr leckeres Abendessen, das ist Ta’arof in Perfektion. Danach wollen wir noch zu einem Wasserfall auf einem Berg, aber plötzlich sind alle Strassen verstopft und ĂŒberall wird auf der Strasse gefeiert. Offensichtlich gibt es neue Wahlergebnisse.
Wir gesellen uns dazu, beobachten das Treiben und fahren erst weit nach Mitternacht auf den Berg.

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Teheran und die Wahlen

Freitag, 14.6.

Heute ist ein besonderer Tag. Erstens ist Freitag, zweitens wird heute im ganzen Iran gewĂ€hlt. Wir erkunden ein wenig das sĂŒdliche Stadtzentrum und besichtigen den Golestan Palace. Innen gibt es wirklich die geballte Pracht zu bestaunen, leider darf fast nirgends fotografiert werden. Anschliessend haben wir noch ein kurzes GesprĂ€ch mit einem Polizisten in Zivil, der wohl Heiko mit dem GPS gesehen hat. Kein Stress, wir dĂŒrfen weiterziehen. Mit der Metro fahren wir zum Laleh Park, wo normalerweise viele Studenten abhĂ€ngen. Heute ist aber auch hier nichts los, es ist wohl zu frĂŒh, zu heiss und der falsche Tag. Nur einige Leute spielen Volleyball. Hier kommen wir mit einem Studenten ins GesprĂ€ch, der sogar deutsch spricht. ZurĂŒck zum Hotel und Siesta. Im Hotel Firouzeh haben wir gestern schom Marco und seinen Freund aus Holland getroffen, die zufĂ€llig auch hier wohnen. Wir waren schon seit der TĂŒrkei per Email in Kontakt.

Am Abend ziehen wir nochmal zum Essen los Die Stadt ist zumindest im SĂŒden gespenstisch leer, kaum Autos auf den Strassen. Nur im Norden der City sind ein paar Leute shoppen und bei einigen Moscheen gibt es noch lange Schlangen vor den Wahllokalen. Die Wahl wurde wegen der grossen Beteiligung um fĂŒnf Stunden bis kurz vor Mitternacht verlĂ€ngert. Schliesslich finden wir das Tandoor Restaurant in einer kleinen Seitenstrasse und geniessen ein super Abendessen. Auf dem RĂŒckweg ist es immer noch sehr ruhig, aber vereinzelt scheinen schon einige Leute zu feiern, da die ersten Prognosen veröffentlicht wurden.

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Geniale Bergstrecke nach Teheran

Bis alle GesprĂ€che und Chai-Einladungen abgearbeitet sind, kommen wir tatsĂ€chlich um halb elf los. Es sind noch etwa 50 km langweilige, heisse KĂŒstenstrasse. Bei ChalĂŒs biegen wir dann ab in die Berge. Sehr zu unserer Freude ist die eigezeichnete Autobahn noch gar nicht fertig, sonder es gibt eine astreine Kurven-Panoramastrecke durch eine wirklich spektakulĂ€re Bergwelt mit einem Pass auf 2600 Meter Höhe. Wir sind so im Kurvenrausch, dass wir gar nicht mehr an Fotos denken, es gibt tatsĂ€chlich nur dieses eine. Es kommen uns sehr viele vollgepackte Autos entgegen, ganz Teheran fĂ€hrt wohl gerade an die KĂŒste. Ab Donnerstag nachmittag ist Wochenende, Samstag geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Vielleicht auch nicht, denn morgen sind die Wahlen, die uns bei der Visabeschaffung soviel Trouble gemacht haben. Ob alles friedlich bleibt? Die Tage vor den Wahlen waren fĂŒr uns auf jeden Fall sehr interessant. Das erlebt man nicht alle Tage im Iran, und wir sind ja auch nicht so oft hier (zum erstenmal, um genau zu sein).

Als wir ĂŒber die Autobahn nach Teheran reinfahren, zeigt das Bordthermometer 38 Grad an, ein neuer Rekord. Und wir sind hier immerhin noch auf ĂŒber 1200 Meter.

Wir haben ein sehr nettes Hotel mit Internet fĂŒr 700.000 IRR (DZ) gefunden, wo wir jetzt erstmal zwei NĂ€chte bleiben werden. Mal sehen, was die heisse Metropole fĂŒr uns bereithĂ€lt.

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Masuleh – AbkĂŒhlung in den Bergen

Mittwoch, 12.6.

Morgens fahren wir noch schnell im Ort in einem anderen “Coffeenet” vorbei. Hier klappt die Verbindung mit dem Netzwerkkabel sofort und ich kann den Blog aktualisieren mit den Bildern von gestern und vorgestern.
Noch ein StĂŒck an der KĂŒste lang und dann ĂŒber Fuman eine sehr schöne Strasse rauf in die Berge. Unser Ziel fĂŒr die Mittagspause ist der malerische Ort Masuleh. Hier auf etwa 1000 Meter Höhe sind die Temperaturen mit 26 Grad sehr
angenehm. Die HĂ€user sind an einem Berghang gebaut, das Flachdach des einen Hauses ist der Vorplatz des nĂ€chsthöheren. Zwischendrin gibt es unzĂ€hlige kleine Restaurants und Souvenirshops. Wir essen eine leckere Suppe und unterhalten uns mit einigen Leuten aus Teheran vom Nachbartisch. Dann geht es auch schon weiter zurĂŒck zur KĂŒste. Über Rasht fahren wir noch bis Ramsar, wo wir am Strand ein typisch iranisches Betonsockel-Camp entdecken. Wir wissen ja nun schon, wie das geht und bauen fix die Zelte auf. Unterwegs haben wir kurz in Lahijan Pause gemacht, das wĂ€re auch ein sehr netter Ort fĂŒr einen Zwischenstop
gewesen. Nahe beim Camp gibt es so eine Art Strandpromenade mit Kinderspielplatz, Shisha-Bars und kleinen LĂ€den. Wir entscheiden uns fĂŒr ein grösseres Restaurant und hauen fĂŒrs Abendessen heute eine halbe Million auf den Kopf (zusammen etwa 10 Euro). Auch abends um zwölf ist es noch zu warm, also heute kein Schlafsack nötig. Das Camp ist mittlerweile gerammelt voll, wir kommen uns ein bischen vor wie in einem FlĂŒchtlingslager. Fast vor jedem Zelt wird gekocht, gegessen, Tee getrunken. Wir sind hier erstaunlich unsichtbar, erst beim FrĂŒhstĂŒck werden wir von ein paar Jungs zum Tee eingeladen.

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Tabriz und weiter zum Kaspischen Meer

Nach zwei Tagen in Urmia heisst es nun Abschied nehmen. Gegen Mittag begleitet uns Hossein noch zur Tankstelle und bis an den Stadtrand. Das macht Spass, volltanken fĂŒr nicht mal zwei Euro! Der Sprit hat hier nur 85 Oktan (Embargo), aber meine Q kommt einigermassen damit zurecht. Heute bekommen wir zum erstenmal den riesigen Salzsee zu sehen. Etwa in der Mitte fĂŒhrt eine Strasse ĂŒber einen langen Damm rĂŒber, so dass wir keinen riesigen Umweg fahren mĂŒssen. Es geht weiter durch die Berge und nach etwa 160 km erreichen wir Tabriz. Der riesige Stau wird vermutlich durch zwei UnfĂ€lle verursacht, aber auf 6-8 virtuellen Fahrspuren drĂ€ngelt man sich irgendwie durch. Ich fĂŒhle mich fast wie auf der A8… Schliesslich erreichen wir die Innenstadt und die UniversitĂ€t. Hier weiss man nichts von Camping, schickt uns aber in einen anderen Park. Noch einmal fragen und wir haben die richtige Info. Es gibt tatsĂ€chlich einen “Visitor Park”, in dem man kostenlos campen darf, geschafft. Kein Hotel-Stress, keine Parkplatzprobleme. Camping auf iranisch: Die Zelte werden grundsĂ€tzlich auf dem Parkplatz oder auf kleinen Steinpodesten errichtet, bloss nicht auf der Wiese. FĂŒr uns macht man eine Ausnahme, die morgendliche BewĂ€sserung wird in unserem Bereich kurzerhand verschoben. Nachts um zwölf bekomme ich Besuch am Zelt. Ich schlafe schon fast, als der WĂ€rter mit drei hĂŒbschen MĂ€dels im Schlepptau kommt. Sie mĂŒssen am nĂ€chsten Morgen frĂŒh los und wollen sich unbedingt noch mit mir unterhalten. Sarah kommt aus Mehran nahe der irakischen Grenze und spricht
perfekt Englisch. Es sind immer die gleichen Themen: BeschrÀnkungen im Iran, Reisen, etwas Politik, Familie, wie ist das bei euch in Deutschland usw.

Montag, 10.6.

Heute ist bikefreier Tag und wir erkunden ein wenig die Stadt. Am Anfang mit einem Angestellten vom Camp, der Philosophie studiert und uns seine Stadt zeigen will. Allerdings lebte er lange in Istanbul und hat neben dem iranischen auch einen tĂŒrkischen Pass. Leider kennt er seine Stadt doch nicht mehr so gut und einiges lĂ€uft nicht so perfekt. Und er redet wie ein Wasserfall. Wir sind froh, nach der blauen Moschee den Basar ohne ihn besuchen zu können. Busfahren ist sehr gĂŒnstig, eine Strecke in der Stadt kostet nur 2000 IRR, das sind etwa fĂŒnf Cent. Frauen und MĂ€nner warten und fahren natĂŒrlich getrennt, es gibt hinten im Bus eine Abteilung nur fĂŒr Frauen. ZurĂŒck im Camp lernen wir Nakisa, eine 22-jĂ€hrige Studentin und ihre Eltern kennen. NatĂŒrlich werden wir nach wenigen SĂ€tzen schon nach Hause (Hamedan) eingeladen. Vielleicht können wir das in unsere Route einplanen. Abends gehe ich nochmal allein los und finde einen HĂ€hnchengrill, wo ich sehr lecker esse. Dazu gibt es heute Holsten Bier, natĂŒrlich nur Lemon und ohne Alkohol. Aber das Beste: Der Besitzer lĂ€dt mich ein, beim besten Willen darf ich kein Geld zahlen. Das passiert uns mittlerweile öfters.

Dienstag, 11.6.

Nach FrĂŒhstĂŒck im Camp und einem kurzen Stop im Elgoli-Park geht es nun weiter an die KĂŒste zum kaspischen Meer. Wir umfahren Ardabil und folgen der Schnellstrasse zur aserbaijanischen Grenze. Die Strasse wird kleiner, kurviger und geht nun entlang der mit Stacheldrahtzaun gesicherten Grenze bergab bis zum Meer. Die Temperatur steigt in kurzer Zeit von 17 auf 30 Grad. Von Astara folgen wir dem KĂŒstenverlauf bis in den kleinen Ort Lisar. Wir machen einen spontanen Abstecher zum Strand und ĂŒberlegen, wo und wie wir ĂŒbernachten wollen. Das Zauberwort aus dem Lonely Planet lautet “otagh” und bedeutet Zimmer.
Gemeint sind Privatzimmer oder Suiten, die an FeriengĂ€ste gĂŒnstig vermietet werden. Erster Versuch gleich ein Treffer. Vor einer Backstube sprechen wir jemand an, der uns sogleich mit seinem Motorrad zum Haus seiner Eltern fĂŒhrt. Das kleine Appartement mit Dusche und KĂŒche kostet 90.000 IR, also keine 2 Euro fĂŒr uns beide! Wir schlafen auf Teppichen und unseren Luftmatratzen im Schlafsack. Im Ort finden wir nach etwas Fragen ein Internetcafe (mehr eine Spielhölle fĂŒr Kids) und bekommen mit Hilfe des telefonisch herbeigerufenen Chefs auch mein Notebook per Kabel ins Internet. DHCP Fehlanzeige. Anschliessend sind wir noch die StargĂ€ste auf einer lokalen Wahlkampfveranstaltung und auch beim Kebabspiess findet sich sofort neugieriges Publikum ein. Wir fĂŒhlen uns ein wenig wie auf einer Pressekonferenz. So, jetzt die letzte Frage bitte… Ein netter Ă€lterer Herr bezahlt die Rechnung, ein anderer macht den Dolmetscher. Wir werden auch mehrfach gefragt, wo wir denn ĂŒbernachten und jeder bietet sein Haus dafĂŒr an. Gastfreundschaft könnte grösser nicht sein.

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