Septembertour – Montenegro (2)

Irgendwann lässt der Regen schliesslich nach und wir verlassen das Cafe bei der Tankstelle. Wir fahren die Hauptstrasse nach Shkoder rein und machen dort noch einen kleinen Stop in der Stadt. In der Nähe der Moschee gibt es sogar eine schicke Fussgängerzone mit vielen Läden und Cafes. Meine Suzi ist wieder bockig und will nicht anspringen. Also wieder mal anschieben und weiter gehts. Wir fahren die schöne kleine Strasse Richtung Küste zur Grenze nach Montenegro. Hier war ich vor drei Jahren schon mit der BMW auf dem Weg in den Iran langgefahren. An viele Stellen erinnere ich mich noch gut. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Stadt Bar und fahren in den Sonnenuntergang zur Küste runter. Wir finden ein Gebiet mit vielen Appartements und werden uns nach kurzer Verhandlung mit einem Eigentümer einig. Unsere einfache Unterkunft mit Parkplatz im Hof kostet 8,50 € je Person, das ist günstig für eine Stadt dieser Größe. Wir essen direkt in der Nachbarschaft in einem Biergarten mit guter lokaler Küche. Danach folgt ein kleiner Spaziergang in die City, wo es erstaunlich gute Kneipen und Cafes gibt.

Direkt neben unserer Unterkunft gibt es eine Bäckerei, wo wir uns das FrĂĽhstĂĽck besorgen. Ein letztes gemeinsames FrĂĽhstĂĽck im Hof, dann verabschiede ich mich von den beiden und fahre allein weiter Richtung Dubrovnik. Ich finde eine sehr kleine Strasse von Bar direkt in die Berge rauf und beschliesse, heute mal nur solche “Backroads” durch die Berge zu fahren. Da ich noch genug Zeit habe, steuere ich fĂĽr heute mal die Hauptstadt Podgorica an. Dabei komme ich bei Vippazar noch einmal ganz nah an den Shkoder Lake dran. Weiter geht es ĂĽber kleinste Strassen ganz um die Bucht herum, bis ich später auf die M23 stoĂźe. Mitten in den Bergen sehe ich ein kleines Schild “Honey Trails and Tales”.

Ich folge dem kleinen Weg für etwa 2 km und lande auf einem großen Anwesen. Ich werde von einem netten Mann begrüßt, der mir dann stolz seinen Weinbau und die Obstgärten zeigt. Ich probiere sehr viele von seinen 42 verschiedenen Traubensorten und natürlich auch verschiedene Schnäpse, die er selber brennt. Wirklich gut! Am Ende kaufe ich noch ein Glas Honig und fahre sehr entspannt zu meiner Route zurück. Schon bald taucht Podgorica vor mir auf und ich beschliesse, trotz der noch frühen Uhrzeit mir ein Quartier zu suchen und die Stadt zu erkunden. Leichter gesagt als getan. Keine POI im Navi und ich finde auch keinerlei Schilder für Privatzimmer. In einem Wohngebiet auf einem kleinen Hügel halte ich an. So bekomm ich Suzi auch ohne fremde Hilfe auch wieder zum laufen. Als ich am Handy nach einer Unterkunft suchen will, bietet mir jemand an, doch sein privates WLAN zu nutzen. Perfekt.

Er arbeitet in der Kirche gegenüber und schlägt mir vor, im Garten der Kirche auf dem perfekten Rasen mein Zelt aufzuschlagen. Einen solchen Campingplatz hatte ich auch noch nicht. Aber ich schaue zum Himmel und lehne das nette Angebot lieber an. Der nächste Regen ist nicht mehr weit. Ich notiere mir die Adressen von 2 Hostels und fahre per Navi dorthin, finde aber nichts. Niemand kennt das Hostel, dabei ist es nicht weit weg. Die Strassennamen wurden wohl mal geändert. Ich gebe aber nicht auf und finde es schliesslich doch. Das hat sich gelohnt, das Hostel in der Altstadt ist wirklich prima. Zu Fuß kann ich von hier über eine alte Steinbrücke in die Neustadt gehen, die auf der anderen Seite eines kleinen Flusses liegt. Ich habe vorher auf meiner Motorradrunde durch die Stadt schon das Kneipenviertel entdeckt und verbringe dort nun einen netten Abend mit Pizza und einigen Bier.

Am nächsten Morgen gehe ich nochmal in die City, um meine Crosshose mal wieder reparieren zu lassen. Diesmal ist an der kritischen Stelle rechts ein langer Riß und ein paar kleine Löcher. Um 12 Uhr kann ich die Hose abholen, diesmal kostet es fünf Euro. Perfekt. Die heutige Etappe ist nicht sehr lang. Es geht über Cetinje um den Nationalpark Lovcen herum. Die Strasse P1 ist wieder ganz nach meinem Geschmack, aber leider beginnt es schon wieder zu regnen. Also Regenjacke an und durch. Auf die Bergstrecke bei Cekanje kann ich mich gerade noch durchmogeln, eigentlich ist die Strecke schon gesperrt. Ich vermute, es soll etwas gesprengt werden. Am anderen Ende der langen Baustelle (endlich wieder Schotter und Steine) versperren grosse Felsen den Autos den Weg. Kurz vor der Abfahrt ins Tal werde ich dann richtig nass und flüchte mich später in Njegusi in ein Gasthaus. Dort ist Stromausfall und ich esse bei Kerzenschein im fast dunklen Raum.

Zum Abschied darf mich der Kellner anschieben und es folgt die Serpentinenstrecke runter nach Kotor. Dort ist mir zuviel Trubel und ich suche mir ein günstiges Nachtquartier in Risan. Zum Frühstück fahre ich nochmal zurück nach Pergast, wo es morgens noch sehr friedlich und ruhig ist. Von dort fahre ich meine letzte Etappe zurück zum Campingplatz in Mlini, wo ich Michal gerade noch beim Zeltabbau treffe. Die beiden waren gestern schon hier und fahren heute weiter nach Mostar. Meine Tour geht jetzt mit dem Auto weiter, entlang der wunderschönen kroatischen Küste zurück nach Hause.

Reise Infos

BAR
Pod Lozom Restaurant http://en.podlozom-bar.com Tel. +382 30 350 007, Ilino 6, 85000 Bar

PODGORICA
Hostel Montenegro tel. + 382 69 039 751, e-mail: montenegrohostel@gmail.com, www.montenegrohostel.com
Bar “Berlin” Njegoseva, 24, https://de-de.facebook.com/Cafe-Berlin-639643132804683/

RISAN
Apartmani Vikovic nette EigentĂĽmer, +382 69 233 270

MLINI (Kroatien)
Camping Kate Tupina 1, 20207 Mlini, Hrvatska, +385 20 487 006, http://www.campingkate.com, gĂĽnstiger als in Dubrovnik

Artikel auf Facebook teilen

Septembertour – Albanien

An der nördlichen Grenze zu Albanien bei Gusinje bin ich der einzige, willkommene Gast. Der nette Grenzer kritzelt zunächst eine kleine Karte auf einen winzigen Zettel, wo ich in der Nähe eine prima Unterkunft finden kann. Dann werden meine Daten aufgenommen und er wĂĽnscht mir eine gute Reise. So mĂĽsste es immer sein… Direkt hinter der Grenze hört der Asphalt auf und es folgt ein StĂĽck Schotterpiste.

Ich entscheide mich, trotz des drohenden Regens einen Abstecher ins Vermosh-Tal zu machen. Bis vor Kurzem gab es hier hoch noch keine richtige Strasse und die Welt ist hier quasi zu Ende. Hinter den hohen Bergen liegt die Grenze zu Montenegro, hier ist für die Enduro Schluß. Im gesamten Tal kommt mir nur ein Auto entgegen und ich treffe einen kleinen Jungen, der fragt, ob ich ein Hotel suche. Hinter dem kleinen, fast verlassenen Ortskern von Vermosh geht der Weg nach einigen Flußdurchfahrten praktisch im Flussbett weiter, bevor ich später einen feuchten Kieselweg durch den Wald erreiche. Als der Weg immer schmaler wird, kehre ich um und fahre zurück auf die Hauptstrecke Richtung Shkodra.

Als ich an einer Baustelle nach einem Erdrutsch warte, kommen von hinten Michal und David aus Tschechien dazu (BMW 1200 GS und KTM 990 Adv). Der Tag geht langsam zu Ende und wir suchen uns gemeinsam eine Unterkunft in Lepushe. Zufällig ist es das Guesthouse, das auf meiner kleinen Spezialkarte gekritzelt ist. Dort bekommen wir auch ein Abendessen, aber vorher geht’s noch bei den letzten Sonnenstrahlen auf ein Bier in die Dorfkneipe.

Nach dem FrĂĽhstĂĽck erreichen wir bald das Ende der Schotterstrecke und es geht auf einer nigelnagelneuen Strasse mit tollen Kurven und Kehren runter ins Tal und weiter Richtung Shkodra.

Der Plan ist, heute noch die südliche offroad Strecke bis nach Theth zu schaffen, da heute nach dem Regen in der Nacht wirklich mal gutes Wetter ist. Unterwegs mag die KTM nicht mehr anspringen und meine kleine Suzi mit der schwachen Batterie muss Starthilfe geben! Der Stecker und das kleine Kabel sind schon praktisch. Wir vertrödeln dann einige Zeit damit, einen Aluminium-Schweisser für den Heckrahmen der KTM zu finden, aber das klappt nicht. Schliesslich lassen wir das große Topcase an einer Tankstelle, um es morgen nach der Tour wieder abzuholen. Die Südrunde beginnt in Shkodra und vor dem Beginn der offroad Strecke halten wir noch an einer kleinen Bar zum Mittagessen.

Jetzt warten 55 km Schotter und Steine auf uns, unterbrochen von einigen schönen Aussichtspunkten über die Bergwelt der albanischen Alpen. Ich beneide die beiden Jungs mit ihren schweren Reiseenduros nicht, zum Teil ist es wirklich Arbeit. Heute freue mich wirklich über meine luftige Crosshose, die nun aber auf der rechten Seite schon wieder leichte Materialschwächen zeigt. Die Motorräder und wir halten tapfer durch und nach einer Flussdurchfahrt erreichen wir punkt 18 Uhr Theth und finden auch schnell ein schönes Quartier. Wenn man auf diesem Weg hierher kommt, hat man wirklich das Gefühl, an einem der abgelegensten und unzugänglichsten Orte Europas zu sein. Daher sind wir über die Anzahl von Gasthäusern und Touristen doch etwas erstaunt. Wir treffen einige Wanderer und Overlander mit grösseren Trucks und Unimogs. Über die Nordroute kann man Theth jetzt über eine sehr gute Strasse erreichen, nur die letzten 16 km sind noch Schotter. Auch heute bekommen wir wieder ein Abendessen in unserer Unterkunft im Garten serviert, toll.

Nach dem Frühstück in der wärmenden Morgensonne machen wir eine kleine Erkundungsrunde zu Fuß und nehmen einen kalten Drink in einer kleinen Berg-Bar. Hier treffen wir die Studentin Carlotta, die am Vortag mit ihrem Rucksack die Bergroute von Valbona genommen hat und jetzt in Theth ankommt, Respekt! Wir fahren weiter zurück Richtung Shkodra, wo wir noch ein üppiges Mittagsmahl haben und David sein Topcase wieder montiert. Uns bleibt allen noch etwas Zeit für Albanien, so beschliessen wir, heute noch bis ans Meer zu fahren und dann weitere Pläne zu machen. Im Strandort Velpodje gibt es sogar einen Campingplatz, wo wir für 2 € je Person übernachten können. Es ist noch warm und trocken, daher verzichten wir aufs Zelt.

Das war ein Fehler, gegen fünf Uhr früh fängt es an zu regnen und es folgt ein heftiges Gewitter. Also schnell alles unter ein Vordach getragen und dort den Sonnenaufgang abgewartet. Wir trinken dann einen Kaffee im Strandcafe und weiter gehts. Wir wollen in den nächsten Ort Shengjin. Die kürzeste Strecke dorthin führt direkt über den Strand, also los. Es geht 8 km über teilweise festen, oft aber auch sehr lockeren und tiefen Sand. Jetzt ist Profil und Motorleistung alles! Mit dem Gewicht weit hinten heizen wir über den fast menschenleeren Strand, der an einer Stelle nur etwa einen halben Meter breit ist. Die Suzi hat manchmal ein paar längere Aussetzer, und ich sehe mich schon 4 km am Strand entlang schieben.

Aber sie hält durch und später tritt das Phänomen auch nicht mehr auf. In Shengjin fahren wir noch ein paar Kreise in den Sand und dann fahren wir wieder zurück Richtung Shkodra. Auf dem Weg gibts das nächste Gewitter und wir verbringen eine Stunde in einer Tankstelle im Cafe. Es klart irgendwann wieder auf und wir wollen heute noch die Küstenstadt Bar in Montenegro erreichen. Ob das klappt und was uns in Bar erwartet erfahrt ihr dann im nächsten Blogeintrag.

 



Reise Infos

VERMOSH / LEPUSHE
Bujtina Lepusha (Guesthouse) www.kelmend-shkrel.org Tel. +382 69 27 79 72, 15,00 € inkl. Abendessen + Frühstück, auch Camping möglich

THETH
Bujtina Harusha schöner Garten, 20,00 € inkl. Abendessen + Frühstück

VELPODJE
Campingplatz am Ortsende direkt an dem kleinen Fluss in einem kleinen Wäldchen, sehr günstig

GELD
Wechselkurs 1 € = 135 LEK, ATM in Shkoder, oft Zahlung in Euro möglich, z.B. Tanken, Unterkunft

Artikel auf Facebook teilen

Septembertour – Montenegro (1)

Schnell noch zwei Wochen Urlaub zusammengekratzt, Anhänger gemietet und ab in den wilden Balkan. Samstag abend geht es schon los. Nach einer Nacht im Auto erreiche ich am Sonntag abend meinen Campingplatz in Mlini, das ist kurz hinter Dubrovnik. Dort bleiben Auto und Hänger nun stehen und es geht mit der Suzi weiter. Fürs Gepäck habe ich mir eine Fahrradtasche besorgt, die ich einfach übers Heck werfe und ein wenig verzurre. Mal sehen, ob sich das bewährt. Nach der Grenze zu Montenegro lasse ich die Bucht von Kotor schnell hinter mir und fahre ab Risan eine kleine Strasse in die Berge rauf.
Der Regen hat sich noch nicht ganz aus der Region verzogen und einmal werde ich gut nass. Über Niksic erreiche ich über meist gute Strassen den Durmitor Nationalpark. Auf einem der vielen Katuns (Wiesen mit Schäferhütten, siehe Titelfoto) hätte ich gerne übernachtet, aber das nächste Gewitter zieht schon wieder auf. Stattdessen fahre ich weiter nach Zabljak, dem Ausgangsort für den Nationalpark. Hier gibt es unerwartet viele Hotels und Gasthäuser. Ich finde ein Zimmer in einem Hostel (Hikers Den). Ein leckeres und günstiges Abendessen in der Nachbarschaft rundet den Tag ab. In der Nacht regnet es weiter, aber morgens ist es trocken. Ich mache eine kleine Morgenwanderung zum Black Lake, den ich um halb acht noch ganz für mich allein habe. Nach dem Regen der Nacht ist alles noch neblig und feucht und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch den Wald.

Während später eine alte Dame fĂĽr 2 € meine Crosshose repariert, mache ich eine kleine Endurotour runter in die Tara-Schlucht. Das sind etwa 1000 Höhenmeter ĂĽber einen kurvigen Waldweg. Endlich offroad! Hier ist wirklich der Weg das Ziel, unten gibt es auĂźer herrlich blau-grĂĽnem Wasser nichts zu sehen. Knapp zwei Stunden später ist die Hose fertig und meine Reise geht weiter. Ich mache einen Stop an der BrĂĽcke ĂĽber die Tara-Schlucht und fahre dann entlang der Tara weiter nach SĂĽdosten. Es ist ĂĽbrigens der zweitgrößte FluĂźcanyon nach dem Grand Canyon in den USA, wer hätte das gedacht… Heute geht es noch bis Kolasin, wo ich fĂĽr 15 € ein prima Privatzimmer finde. Nach einem netten Abendessen mit einem Biker-Pärchen aus Polen geht es nun am Mittwoch wieder etwas mehr offroad weiter.

Nach einigem Ăśberlegen entscheide ich mich fĂĽr einen Biketrail durch den Biogradska Naturpark. Die Idee dazu hatte ich von Google maps, wo dieser mit TT3 eingezeichnet ist. An einem Kassenhäuschen zahle ich 3 € und frage, ob ich da wirklich mit dem Motorrad rein darf. “Ja klar, wenn du Enduro fahren kannst, kein Problem”. Nun gut. Anfangs sind noch einige Wanderer unterwegs, als ich mich einen steilen Waldweg mit Steinen und vielen engen Kehren hochkämpfe. Oben gibt es dann eine Wiese mit einer Art AlmhĂĽtte, wo ich zu Brotzeit und kaltem Drink sehr nett von Dajana empfangen werde. Weiter geht es ĂĽber Wiesen und Feldwege den Grat hinauf und auf der anderen Seite runter Richtung Lubnica / Berane. Ich mache noch einen Abstecher zu einem schönen See und halte dort Mittagsrast.

ZurĂĽck zum Hauptweg geht es ĂĽber wirklich kleine Pfade quer durch den Wald, aber mit der Suzi alles kein Problem. ZurĂĽck auf der Strasse, geht es ĂĽber Plav und Gusinje zur Grenze nach Albanien. Das wirklich dicke Gewitter droht schon wieder hinter den Bergen, aber irgendwie kann ich hoffentlich entkommen. Weiter geht die Geschichte im nächsten Blogeintrag “Albanien”.

 

 

 

Reise Infos

ZABLJAK
Hostel Hikers Den www.hostelzabljak.com DZ 28,00 € (relativ teuer), bieten auch Canyoning und Rafting Touren an.
Krcma Nostalgija (Restaurant in Blockhütte), Vuka Karadžića, günstige und gute regionale Küche.

KOLASIN
Gorica Privatzimmer +382 67 345538, schöner Garten, DZ 15,00 €
Imanje Janketica (AlmhĂĽtte) Nationalpark Biogradska Gora, www.facebook.com/Imanje-Janketica-196917563998653/ Tel. +382 679167

Artikel auf Facebook teilen