Istrien Enduro 2017

Die diesjĂ€hrige Enduro Herbsttour fĂŒhrt nach Istrien (Kroatien). Nach einigem hin und her wegen des Motorradtransports klappt es schließlich doch. Da ich aktuell kein Fahrzeug mit AnhĂ€ngerkupplung habe, bin ich auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen.

Nachdem Teilnehmer und Fahrzeuge feststehen, können wir die Unterkunft buchen. Es soll noch einmal nach Draguc gehen, wo einige bereits im Juni (bei einer Bullenhitze) waren und noch weiteres Enduropotential ausgemacht haben.

Draguc ist ein kleines, auf einem BergrĂŒcken gelegenes Dorf in Istrien in der NĂ€he des Jezero Butoniga. Von hier aus kann man Touren aller Schwierigkeitsgrade in alle Himmelsrichtungen unternehmen.

Wir sind diesmal zu sechst, alle aus dem Endurowander Forum. Unter Endurowandern versteht ja bekanntlich jeder etwas anderes. Alter, Fahrkönnen und Erwartungen an den Urlaub sind nicht unbedingt bei allen gleich.

Ob das gutgehen kann? Um es vorwegzunehmen: Ja, es hat ganz gut gepasst und wir waren oft alle zusammen unterwegs und hatten sehr viel Spass dabei. NatĂŒrlich hat auch mal jemand ausgesetzt oder es haben sich zwei Teams gebildet, weil verschiedene Ziele angesteuert werden sollten.

Bereits vor unserer Ankunft war das Wetter recht nass, so daß wir mit rutschigen VerhĂ€ltnissen rechnen mĂŒssen. Unsere erste Tour am Sonntag fĂŒhrt dann auch voll in den Matsch. Vorbei an einem Weinberg geht es auf einem schrĂ€gen Weg durch knöcheltiefem Matsch nach unten. Dort legen viele erstmal das Moped hin. Selbst bergab schieben ist nicht möglich, da der Schlamm die RĂ€der blockiert und auch an den Stiefeln sofort festklebt.

Auch die Auffahrt auf der anderen Seite war nicht ohne. Wir rutschen und schlingern den Berg rauf. Hier zeigt sich, wer es wirklich kann und wer noch genug Stollen auf den Reifen hat. Am Nachmittag wird es dann fahrbarer, als wir durch ein Tal mit mehreren tiefen Flussquerungen nach Buzet fahren. Die Hauptstrasse zurĂŒck nach Draguc ist wegen eines Bergrennens gesperrt, also fahren wir ĂŒber kleine NebenstrĂ€schen ĂŒber Vrc zurĂŒck. Abends ist Grillen am Pool angesagt.

Montag. Ich beschliesse, mein am Vortag etwas lĂ€diertes Bein zu schonen und unternehme allein einen Ausflug nach Motovun. Das alte StĂ€dtchen liegt sehr malerisch auf einem Berg. Ich fahre vorbei am Parkplatz rauf auf den Berg und unternehme einen kleinen Rundgang zu Fuß.

Tolle Restaurants mit Fernblick, viele Touristen. Hier ist TrĂŒffel-Land, fast alle Gerichte werden mit TrĂŒffeln angeboten. Am Fuß des Berges beginnt eine Schotterstrecke, die ich bereits vorher aufs Navi kopiert habe. Die alte Bahnstrecke verlĂ€uft zunĂ€chst einfach und flach. Ich komme durch einen alten Bahnhof und ĂŒber ein Steinviadukt in schöner Landschaft. SpĂ€ter verlasse ich die Bahnstrecke und die Route verlĂ€uft ĂŒber Felder und durch den Wald. Jetzt wird es fahrerisch interessanter mit engen Kurven, Anstiegen und vielen Steinen. Das letzte StĂŒck ist nicht mehr fahrbar, es fĂŒhrt wieder durch tiefen Schlamm zwischen Weinbergen, deja vu.

ZurĂŒck in Motovun treffe ich ich den Rest der Truppe und wir trinken ein Pausenbier. ZurĂŒck nach Draguc geht es heute wieder ĂŒber meine Lieblingsstrecke bei Vrh. Bereits am Abend beginnt es wieder zu regnen.

Der Dienstag wird zum Pausentag deklariert. Bei dem Dauerregen will niemand fahren. Also bleiben wir mal einen Tag zuhause, sortieren Fotos, schreiben Emails, kochen was Leckeres, schauen Videos…

Am Mittwoch sieht es schon wieder besser aus, allerdings noch sehr grau ohne Sonne. Erstmal fahren wir alle zu einer Crossstrecke, die wir am Vortag entdeckt haben. Ein paar Runden dort sind ideal zum AufwĂ€rmen am Morgen. Weiter geht es eine Schotterpiste ins Tal runter und ĂŒber Wiesenwege zurĂŒck nach Hause. Am Nachmittag sind wir zu dritt unterwegs und nehmen eine sehr enge Piste durch den Wald zur Autobahn runter. Von dort geht es ĂŒber Wiesen und Feldwege in ein großes Waldgebiet. Rechtzeitig steige ich aus und fahre eine andere Route, bevor es dann wirklich fĂŒr die beiden zu einer neuen Schlammschlacht wird.

Ich finde eine andere Strecke durch den Wald. Auch diese ist noch sehr nass und einmal saufe ich in einer riesigen PfĂŒtze ab. Trotz viel Wasser und Dreck wird es ein sehr schöner Fahrtag.

Der Donnerstag verspricht endlich wieder Sonne und wĂ€rmeres Wetter. Zu viert wollen wir wir heute an die KĂŒste nach Porec fahren. Wir versuchen, auf möglichst kleinen Wegen durch den Wald und ĂŒber die Felder ans Ziel zu gelangen. Das gelingt auch ganz gut bis einige Kilometer bevor wir die KĂŒste erreichen. Im Vergleich zum fast ausgestorbenen Draguc ist das hier schon eine andere Welt. Wir trinken in einem Cafe erstmal ein Bier und laufen dann zum Hafen runter. Dort gibts leckere Cevapcici zum Mittagessen.

Die anderen wollen schon zurĂŒck, ich bleibe noch ein wenig in Porec und schau mir die Altstadt an. Hier ist abends bestimmt viel los. Es gibt eine Menge gemĂŒtlicher Kneipen und Cafes. Nach etwa einer Stunde wird es mir zu lĂ€stig, in den Endurostiefeln mit den Klamotten und Helm im Arm durch die Stadt zu laufen, und ich mache mich auf den RĂŒckweg. Über Motovun geht es ĂŒber die Strasse zurĂŒck nach Draguc.

Auch am Freitag spielt das Wetter wieder perfekt mit und gleich nach dem FrĂŒhstĂŒck geht es los. Über Schotter- und Wiesenwege fahren wir Richtung Hum und dann durch ein WaldstĂŒck weiter nach Buzet. Viele Steine und ein querliegender Baumstamm machen diesen Abschnitt interessant. In Buzet machen wir Pause in der Eisdiele. Am spĂ€ten Nachmittag werden die Bikes auf den HĂ€nger geladen, da es am Samstag leider schon wieder nach Hause geht. Zum Abschluss fahren wir am Abend ein paar Orte weiter und gehen alle zusammen in der Konoba Volte essen.


Fazit: Eine Woche Endurofahren mit Basislager ist keine schlechte Sache. Man muss sich nicht stĂ€ndig um eine Unterkunft kĂŒmmern und ist bei der Planung der Tagestouren relativ flexibel. Es gibt die verschiedensten Strecken in der nĂ€heren Umgebung, so daß fĂŒr jeden etwas dabei ist. Besonders fĂŒr eine relativ große Gruppe ist das sinnvoll. Allerdings kommt dabei das GefĂŒhl einer richtigen Motorradreise nicht auf. Dabei liegt der Reiz eben darin, daß man morgens oft noch nicht weiß, wo man abends schlafen wird und die Strecke spontan geplant wird. FĂŒr die nĂ€chste Tour werde ich mir vielleicht noch ein kleineres Zelt kaufen um damit noch unabhĂ€ngiger zu sein.

Einige Fotos stammen von Peter und Harry.


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