Krakau

W√§hrend Derek und Marco sich in Lviv um eine neue Kette k√ľmmern, fahre ich schon mal vor nach Polen zu unserem letzten gemeinsamen Ziel Krakau. Das von mir ausgesuchte Hostel hatte mir geschrieben, dass sie ausgebucht sind, also habe ich ein Bett im Deco Hostel gebucht, was sich als gute Wahl herausstellte. Nettes Personal und ein ganzes 4-Bett Zimmer f√ľr mich allein. Die Motorr√§der parken direkt vor der T√ľr und Fr√ľhst√ľck gibt es auch.

Krakau stellt sich als sehr touristisch raus, aber das war zu erwarten in dieser Jahreszeit. Daf√ľr gibt es aber jede Menge gute Restaurants und richtig gute Kneipen. Am n√§chsten Tag mache ich eine lange Tour zu Fuss und hake erstmal die Sehensw√ľrdigkeiten in der Altstadt ab. Das ist in erster Linie rund um den Marktplatz und auf dem Wawel Hill. Danach ziehe ich weiter nach Kazimierz, das j√ľdische Viertel und √ľber die Fussg√§ngerbr√ľcke nach Podgorze. Hier wandere ich durch die beiden Gettos und besichtige das kleine, aber feine Museum in der Pod Ortem Apotheke. Diese war 24 Stunden ge√∂ffnet und ein wichtiger Treffpunkt und Anlaufstelle f√ľr die Juden im Getto.

Abends gehen wir alle zusammen essen in einem guten Restaurant in Kazimierz, das wird unser Abschiedsessen. Morgen werde ich in die Slowakei weiterfahren, Marco und Derek wollen das Wochenende in Prag verbringen.


Lviv

Unser Hostel in Lviv ist nicht gerade der Hit, aber die Lage ist sehr zentral und wir k√∂nnen die Bikes in der grossen Durchfahrt zum Innenhof parken. Dieses ist unser letzter Stop in der Ukraine. Es ist Sonntag abend, das Wetter ist prima und die Stadt ist voller Leben. Auf dem grossen Platz in der Stadtmitte wird auf einer kleinen B√ľhne Tang getanzt. Alle Strassencafes und Restaurants sind gut besucht. Da die Stadt wesentlich kleiner als Kiev ist, fallen die Touristen hier mehr auf.

Am Montag mache ich einen sehr ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt und besuche auch die Sehensw√ľrdigkeit Nr.1, den alten Friedhof (Lychakivske Cemetery), der auch P√®re Lachaise von Osteuropa genannt wird. Den Abend verbringe ich mit Derek und Marco, wir gehen Pizza essen und trinken noch das ein oder andere Bier.


Kiev – Independence Day

Wir bleiben 4 N√§chte in Kiev, um den Unabh√§ngigkeitstag am 24.August mitzuerleben. Ausserdem ist Kiev eine lebendige, interessante Stadt, wo so schnell keine Langeweile aufkommt. Mir kommt es sehr europ√§isch vor, wie eine Mischung aus Berlin, Prag und ein wenig Paris. Unser Hostel ist sehr ruhig und etwas ausserhalb vom Stadtzentrum, nicht die perfekte Wahl. Aber mit dem Trolleybus sind wir schnell im Zentrum, es gibt einen Supermarkt um die Ecke und unser Zimmer ist ok. An einem Abend verabreden wir uns mit Jane, die wir in Tiblisi kennengelernt haben. Sie l√§uft immer noch mit Gips rum und besucht nun einen Russischkurs in Kiev. Nach dem Abendessen trinken wir das ein oder andere Bier in einem kleinen Park, wo wir sp√§ter auch Julia und ihren Freund kennenlernen. Zusammen mit weiteren Freunden fahren wir schliesslich in eine Wohnung in einem Hochhaus und machen eine spontane Wodkaparty. Dazu kaufen wir an einem Kiosk 2 Flaschen Wodka, Apfelsaft, fette W√ľrstchen (die sp√§ter gebraten werden) und ein paar Snacks. Es wird ein sehr lustiger Abend. Ich weiss noch, dass wir irgendwie mit einem Taxi nach Hause gekommen sind…

Am Independence Day gibt es abends zum Abschluss ein sch√∂nes Feuerwerk. Sonntag morgen ist das Wetter kalt und grau, aber wir m√ľssen weiter. Es sind heute ungef√§hr 550 Kilometer bis nach Lviv. Im Laufe des Tages kommt die Sonne raus und die meist langweilige Autobahn wird dann doch noch ertr√§glich.


Urlaub auf der Krim

Der kleine Ort Schokilde war eine gute Entscheidung, wir bleiben noch f√ľr eine weitere Nacht. Hier ist nicht so viel Rummel wie bei unserem letzten Stop und an der S√ľdk√ľste ist sicher auch viel mehr los. Es gibt sch√∂ne Str√§nde, gute Restaurants und sogar eine open air B√ľhne mit Live Rock am Abend.

Seit einigen Tagen befindet sich in meinem hinteren Reifen etwas, was dort nicht hingeh√∂rt. Mit Hilfe eines Motorradfahrers finde ich den kleinen Autoservice im Ort, der mir in weniger als 30 Sekunden die Sache repariert. Den gleichen St√∂psel habe ich auch im Gep√§ck, aber f√ľr weniger als 2 Euro mache ich nicht mal den Koffer auf :) Ich hoffe, das das jetzt bis nach Hause h√§lt.

Als n√§chsten √úbernachtungsstop haben wir das Tartarendorf Bakhchysarai gew√§hlt. Das liegt nicht direkt an der K√ľste, aber von hier k√∂nnen wir Touren in die Umgebung unternehmen und haben ein nettes homestay mit Fr√ľhst√ľck. Im Ort selber besichtigen wir den Khan Palace und wandern abends durch das Iosofatova Valley zu dem alten Karaiten Friedhof in einem Wald unterhalb vom Plateau. Tausende von moos√ľberwachsenen Grabsteinen mit hebr√§ischen Inschriften stehen oder liegen hier mitten im Wald. Gespenstisch.

Ein Tagesausflug mit den Motorr√§dern f√ľhrt uns zun√§chst an die K√ľste zur Festung von Balaklava (Titelfoto). √úber die tolle K√ľstenstrasse fahren wir bis Yalta und zur√ľck nach Sevastopol und wieder nach Hause. Ein vollgepackter Tag mit vielen Eindr√ľcken.

Am folgenden Tag verlassen wir die Krim und fahren in 2 Etappen nach Norden Richtung Kiev.



Weiter zur Krim

Da wir ja nur ein 10-Tage Transitvisum haben, m√ľssen wir uns nun leider von unseren neuen Freunden verabschieden, was nicht leicht f√§llt. Heute werden wieder ordentlich Kilometer gemacht, das Tagesziel hei√üt Rostov am Don. Nach Euphrat und Tigris haben wir nun auch die beiden grossen Fl√ľssse Wolga und Don mal gesehen. Mit etwas Detektivarbeit finden wir das Hostel in einem riesigen Wohngebiet mit gigantischen Plattenbauten etwas ausserhalb der Innenstadt. Kein Schild, nichts. Wir versuchen mal ein paar Klingeln und stehen schliesslich vor der richtigen T√ľr auf dem 5.Stock. Und siehe da, in der kleinen Wohnung befindet sich wirklich ein Hostel. Ein Bett im 4-er Zimmer ist mit 450 Rubel (etwa 10 Euro) recht g√ľnstig. Von hier fahren Marschrutka (Kleinbusse) f√ľr 17 Rubel in die Innenstadt. Rostov ist eine der gr√∂ssten St√§dte Russlands, dementsprechend gross ist die Auswahl an Restaurants, Bars etc. Es gibt ein paar sch√∂ne Alleen und eine Promenade am Fluss.

Nach zwei N√§chten hier geht es dann weiter in den S√ľden an die K√ľste. Wir verbringen eine weitere Nacht in dem totalen Touriort Gelendzhik. Hier ist echt die H√∂lle los, nicht unbedingt unser Geschmack. Dann geht es weiter zur Grenze, wo wir die F√§hre r√ľber zur Krim in die Ukraine nehmen. Inklusive F√§hrfahrt (30 Minuten) dauert diese Grenze ein paar Stunden, bis wir endlich weiterfahren k√∂nnen. Im GPS finde ich einen Campingplatz in Schokilde an der Nordk√ľste am Asov’schen Meer. Dieser ist spottbillig, die √úbernachtung kostet grade mal 15 Rubel. Daf√ľr gibts auch keine Dusche. Aber wir haben das Meer und ein nettes kleines Beachrestaurant mit k√ľhlem Bier, das passt schon.


3 Tage in Volgograd


Nach einer langen Tagesetappe Richtung Norden erreichen wir schliesslich Volgograd, sicher auch unter dem alten Namen Stalingrad (aha) bekannt. Das sind definitiv wieder andere Entfernungen hier als in den kleinen Kaukasusl√§ndern. Auch die Temperaturen erinnern wieder an den Iran, fast den ganzen Tag haben wir mehr als 30 Grad beim Fahren. Mittagspause in einem kleinen Restaurant an der Strasse. Der Besitzer kommt aus Kalm√ľckien, also ist das Essen etwas asiatischer als sonst in Russland √ľblich, sehr lecker. Die Strasse ist unerwartet gut und so schaffen wir die knapp 700 km an einem Tag.

Nachdem wir das etwas versteckte “Local Hostel” mit Hilfe zweier sehr netter “Locals” gefunden haben, beginnt eine angenehme Zeit in der Stadt. Khak? Ganz einfach, die Erkl√§rung heisst Nastya, sie ist eine der netten Hostel-Managerinnen. Am ersten Abend sitzen wir beide auf dem Balkon und erz√§hlen Reisegeschichten (Google translate machts m√∂glich…) und lesen in meinem Blog. Sie l√§dt uns ein, am n√§chsten Tag gemeinsam die Stadt zu erkunden, was wir dann auch tun. Das Thema in Volgograd ist fast ausschliesslich die gewonnene Schlacht um Stalingrad. Entsprechend viele Denkm√§ler und Statuen gibt es dazu.

Wir besichtigen nat√ľrlich das grosse Mahnmal “Motherland Calls” auf dem Mamai Hill. Danach gehen wir in das Panorama Museum, was sich dem gleichen Thema widmet. In verschiedenen riesigen Wandgem√§lden sind die Soldaten in der Schlacht dargestellt. Ein ziemlicher Wahnsinn, was hier vor etwa 70 Jahren geschehen ist. Sch√∂n, dass es heute im Zeitalter von Globalisierung und Internet viele private Kontakte auf beiden Seiten gibt, wir geniessen es. Andrew, ein Freund von Nastya kann √ľbersetzen und so haben wir einen interessanten Tag, der nach einem Restaurant und verschiedenen Bierlokalen in einer echt coolen Kneipe endet, die wir ohne die beiden nie gefunden h√§tten.

Am Montag nachmittag fahren wir gemeinsam mit den Motorrädern zum Strand auf der anderen Seite der Volga. Dort gibt es einen breiten Strand und wir schwimmen eine Runde in der Volga. Dann kochen wir zusammen im Hostel und spielen in Nastyas Sportclub noch Tischtennis, bevor wir noch das ein oder andere Bier trinken gehen. Ein perfekter Tag. Danke an Nastya, Andrew und das Hostelteam.

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√úber die georgische Heerstrasse nach Vladikavkaz

Nachdem der heftige Regen der letzten Nacht endlich vorbei ist, fahren wir nun die letzte kurze Etappe bis an die russische Grenze nach Kazbegi. Dies ist nochmal ein besonderes Highlight, denn wir fahren auf der alten georgischen Heerstrasse (military highway) in die Berge rauf. Dabei bieten sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in die wolkenverhangene Bergwelt. Etwa 15 km sind nichtasphaltierte Baustelle mit Schotter, Steinen und ein paar Schlaglöchern. Lässt sich aber durchaus gut fahren. Beim Devils valley stoppen wir bei dem 70 Meter langen Denkmal, das mit verschiedenen Gemälden die Siege und Errungenschaften von Georgien und Russland darstellt. Dahinter verbirgt sich eine tolle Aussicht in die Bergwelt.

In Kazbegi beziehen wir nach kurzer Suche unsere Unterkunft im Ema homestay. Sehr nette Familie und abends gibt es dort leckeres Essen. Am Nachmittag mache ich eine kurze, aber sehr sch√∂ne Wanderung zur Kirche Tsminda Sameba rauf. Dies ist wirklich ein magischer Platz in einer v√∂llig abgeschiedenen Bergwelt. Leider gibt es auch jetzt keinen Blick mehr auf den √ľber 5000 Meter hohen verschneiten Mount Kazbegi im Hintergrund.

Am n√§chsten Tag geht weiter durch eine Schlucht, an deren Ende der Grenz√ľbergang nach Russland liegt. Nach einiger Warterei und diversem Papierkram f√ľr den Zoll sind wir schliesslich drin, Mittagspause in Vladikavkaz und weiter bis Prochladnyy, wobei wir zwischendurch noch die kleine Grenze von Nordossetien in den H√ľgeln √ľberqueren. Auch hier gibt es Passport Check und viele neugierige Fragen.


Die georgische Heerstrasse

Sie ist 213 Kilometer lang und durchquert das Gebirge zwischen Russland und Georgien. Dabei erreicht sie eine H√∂he von 2382 m. Sie spielte eine strategische Rolle bei der Entwicklung der transkaukasischen Beziehungen. Die Stra√üe f√ľhrt von Wladikawkas durch das Terek-Tal hinauf √ľber die russisch-georgische Grenze durch die Darielschlucht (auch Darielpass genannt), durch den Ort Stepanzminda und s√ľd√∂stlich vorbei am Berg Kasbek. Beim Dorf Almassiani wendet sich die Stra√üe in die Schlucht des rechten Terek-Nebenflusses Baidarka. An deren s√ľdlichem Ende √ľberwindet sie den auf diesem Abschnitt auch Mtiuleti-Kamm genannten Hauptkamm des Gro√üen Kaukasus am Kreuzpass 2379 m. Die Stra√üe f√ľhrt weiter vorbei an der fr√ľheren Poststation Gudauri (2196 m) und in Serpentinen hinab in das Tal des Wei√üen oder Mtiuleti-Aragwi. In h√∂heren Bereichen der Heerstra√üe liegt bis Ende Mai Schnee. Im Sp√§therbst und Winter kommt es oft zu Verschneiungen und Lawinenabg√§ngen. Die Stra√üe wird dann unpassierbar. Im Dezember 2005 blieben etwa 300 Menschen in 200 Kraftfahrzeugen nahe dem Kreuzpass im 2,5 m hohem Schnee stecken. Die Beh√∂rden brauchten vier Tage, um sie zu befreien. Zur Vorbeugung werden zeitweise Fahrverbote f√ľr gro√üe Busse, Fahrzeuge mit Anh√§ngern und Lastkraftwagen erlassen. Im Mai und Juni kommt es zu Verkehrshindernissen durch den Auftrieb von Schafen auf die Bergweiden.

Geschichte

Die Heerstra√üe folgt einer Route, die von Soldaten und H√§ndlern seit Jahrtausenden benutzt wurde. Der griechische Geograph Strabon beschrieb sie bereits im 1. Jahrhundert. Der Weg war zun√§chst ungepflastert und wurde damals Weg √ľber den Darielpass genannt. Die russische Armee baute ihn w√§hrend des 5. Russischen T√ľrkenkrieges (1768 bis 1774) f√ľr den Transport ihrer Truppen zu einer Stra√üe aus. Unter dem Kommando von General Gottlob Heinrich von Tottleben wurden der Weg verbreitert, Trassen in das Gebirge geschlagen und Br√ľcken errichtet. 1799 wurde die ausgebaute Georgische Heerstra√üe der √Ėffentlichkeit √ľbergeben. 1827 zog General Alexei Jermolow gegen Tschetschenen zu Felde, die regelm√§√üig Reisende ausraubten. Anschlie√üend sicherte die russische Verwaltung die Heerstra√üe mit Kosaken. Ihnen wurden in regelm√§√üigen Abst√§nden kleine Wohn-
und Wachh√§uschen an der Stra√üe errichtet. Bis 1863 wurde der Stra√üenbelag verbessert. Eine Postkutschlinie befuhr die Heerstra√üe t√§glich in beiden Richtungen. Die Wagen wurden von sechs bis acht Pferden gezogen, die Tiere an verschiedenen Stationen ausgewechselt. Ab 1900 wurden die Kutschen durch Autos ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg versuchte die 1. Panzerarmee der Wehrmacht im Herbst 1942, die Stra√üe, √ľber die Nachschub f√ľr die sowjetischen Truppen n√∂rdlich des Kaukasus transportiert wurde, zu sperren oder selbst dar√ľber nach S√ľden in Richtung Georgien vorzudringen. Der Angriff blieb jedoch im Dezember 1942 vor Wladikawkas stecken, ohne dass die Stra√üe erreicht wurde.


Mestia – Kutaisi – Tblisi

Langsam geht unsere Zeit in Georgien zu Ende. Am 31.7. sind unsere Visa f√ľr Russland fertig, also machen wir uns auf den Weg zur√ľck nach Tblisi. Vorher gibts aber noch einen Abstecher in die Svaneti Region mit ihrer fantastischen Bergwelt. Leider ist das Wetter nicht so toll, die Wolken h√§ngen sehr tief und versperren die meisten guten Ausblicke auf die verschneiten Gipfel. Wir √ľbernachten in Mestia in einem homestay. Der Ort ist gr√∂sser und touristischer als wir vermutet haben. Es regnet die ganze Nacht heftig, aber morgens geht es ohne Regenkombi weiter.

Unterwegs beginnt es wieder leicht zu regnen, also wird in Kutaisi eine √úbernachtung eingebaut. In unserem homestay dort fliesst tats√§chlich selbstgemachter Wein und Chacha in Str√∂men. Unser Gastgeber sorgt st√§ndig f√ľr Nachschub in seinem kleinen Partykeller. Wenn das jeden Abend so geht, macht er das nicht mehr lange, aber seine Frau kann ihn nicht davon abhalten mit den G√§sten zu saufen.

Es folgen drei N√§chte in Tblisi, das wir beim letzten Mal nur kurz besucht haben. Sicher die interessanteste Hauptstadt in den Kaukasusl√§ndern. Von hier aus werden wir dann √ľber die georgische Heerstrasse nach Russland weiterfahren.


Beach, Bikinis, Beer – Batumi

Armenien durchqueren wir nun auf dem R√ľckweg sehr schnell. Durch den Debed-Canyon fahren wir zur Grenze und weiter nach Tblisi in Georgien. Heiko bleibt dort, ich fahre noch weiter bis Surami.

Es folgen zwei Tage in Batumi am √∂stlichen Ufer des schwarzen Meers. Das Wetter ist fantastisch, genau richtig zum Entspannen am Strand. Wir √ľbernachten alle zusammen (Marco und Derek sind auch aus Armenien zur√ľck) in Gulnasi’s Guesthouse, wo sich eine lustige Backpackergemeinde trifft. Ruckzuck sind wir eine gr√∂ssere Clique und haben viel Spass zusammen. Jeden Abend gibt es einen Geburtstag zu feiern und viele Reisegeschichten werden ausgetauscht. Au√üer ein paar modernen und alten Geb√§uden gibt es keine grossen Sehensw√ľrdigkeiten, Batumi ist einfach Beach & Fun.


Kharabach – Ein Land, das es gar nicht gibt


Von Goris geht es heute √ľber eine sehr sch√∂ne Bergstrasse weiter nach Naghorno-Kharabach. Das formal selbst√§ndige Land wird von keinem anderen Staat weltweit anerkannt, geh√∂rt praktisch zu Armenien, offiziell ist es aber ein Teil Azerbaidschans. Eine L√∂sung wird wohl in den n√§chsten 20 Jahren nicht in Sicht sein. Am Grenzfluss werden die P√§sse gecheckt, ein weiteres Dokument (so eine Art Visum) m√ľssen wir uns sp√§ter in der Hauptstadt besorgen. Darauf werden alle von uns eingeplanten Orte eingetragen. Vor dem Ministry of Foreign Affairs treffen wir auch Marco und Derek, die erst heute in Tatev waren. Wir beziehen unsere telefonisch gebuchte Unterkunft (B&B) hinter einer Reihe von Plattenbauten, hier ist maximal Russisch als Fremdsprache m√∂glich. Stephanakert ist nicht besonders gross und eine Nacht reicht v√∂llig aus. Das Wetter ist leider grau, kalt und regnerisch, daher gibt es kaum Fotos.

Am Dienstag sieht es leider nicht viel besser aus, es hat die ganze Nacht geregnet. Immerhin h√∂rt es nach dem Fr√ľhst√ľck auf und wir fahren zu viert weiter nach Agdam, eine Geisterstadt mit vormals 150000 Einwohnern. Das war bis 1994. Heute sieht es aus wie nach einem Bombenangriff. Agdam wird auch “Hiroshima des Kaukasus” genannt. Die Tr√ľmmer sind zum Teil √ľberwuchert und von der Natur zur√ľckerobert. In einem Geb√§ude sind ein paar Soldaten. Ich winke, sie winken zur√ľck. Wir und die Motorr√§der scheinen hier kein Problem zu sein. Wir klettern auf eins der beiden Minarette um einen √úberblick zu bekommen. Kameras sind hier angeblich nicht willkommen, aber ein paar Fotos m√ľssen sein.

N√§chster Stop ist Gandzasar, etwa 50 km westlich. Durch ein paar Regenschauer fahren wir die sch√∂ne Strecke rauf in die Berge, wo es dann schliesslich trocken ist. Von hier wollen wir versuchen, auf direktem Weg weiter Richtung Norden zu fahren und dann √ľber den Sotk-Pass nach Armenien zur√ľckzufahren.

Das war eine gute Entscheidung. Am Anfang verl√§uft die Piste durch ein Tal. Nach den heftigen Regenf√§llen ist es noch ein wenig schlammig an einigen Stellen, aber gut fahrbar. Weiter oben am Pass dann feinste Schotterpiste mit noch feineren Ausblicken. Nichts als Natur, weit und breit kein Mensch und kein Dorf. Auf der anderen Seite des Passes sind wir wieder in Armenien und fahren runter zum Sevan See, wo wir nach einem langen Tag in einem kleinen Guesthouse √ľbernachten.