Septembertour – Albanien

An der nördlichen Grenze zu Albanien bei Gusinje bin ich der einzige, willkommene Gast. Der nette Grenzer kritzelt zunächst eine kleine Karte auf einen winzigen Zettel, wo ich in der Nähe eine prima Unterkunft finden kann. Dann werden meine Daten aufgenommen und er wĂĽnscht mir eine gute Reise. So mĂĽsste es immer sein… Direkt hinter der Grenze hört der Asphalt auf und es folgt ein StĂĽck Schotterpiste.

Ich entscheide mich, trotz des drohenden Regens einen Abstecher ins Vermosh-Tal zu machen. Bis vor Kurzem gab es hier hoch noch keine richtige Strasse und die Welt ist hier quasi zu Ende. Hinter den hohen Bergen liegt die Grenze zu Montenegro, hier ist für die Enduro Schluß. Im gesamten Tal kommt mir nur ein Auto entgegen und ich treffe einen kleinen Jungen, der fragt, ob ich ein Hotel suche. Hinter dem kleinen, fast verlassenen Ortskern von Vermosh geht der Weg nach einigen Flußdurchfahrten praktisch im Flussbett weiter, bevor ich später einen feuchten Kieselweg durch den Wald erreiche. Als der Weg immer schmaler wird, kehre ich um und fahre zurück auf die Hauptstrecke Richtung Shkodra.

Als ich an einer Baustelle nach einem Erdrutsch warte, kommen von hinten Michal und David aus Tschechien dazu (BMW 1200 GS und KTM 990 Adv). Der Tag geht langsam zu Ende und wir suchen uns gemeinsam eine Unterkunft in Lepushe. Zufällig ist es das Guesthouse, das auf meiner kleinen Spezialkarte gekritzelt ist. Dort bekommen wir auch ein Abendessen, aber vorher geht’s noch bei den letzten Sonnenstrahlen auf ein Bier in die Dorfkneipe.

Nach dem FrĂĽhstĂĽck erreichen wir bald das Ende der Schotterstrecke und es geht auf einer nigelnagelneuen Strasse mit tollen Kurven und Kehren runter ins Tal und weiter Richtung Shkodra.

Der Plan ist, heute noch die südliche offroad Strecke bis nach Theth zu schaffen, da heute nach dem Regen in der Nacht wirklich mal gutes Wetter ist. Unterwegs mag die KTM nicht mehr anspringen und meine kleine Suzi mit der schwachen Batterie muss Starthilfe geben! Der Stecker und das kleine Kabel sind schon praktisch. Wir vertrödeln dann einige Zeit damit, einen Aluminium-Schweisser für den Heckrahmen der KTM zu finden, aber das klappt nicht. Schliesslich lassen wir das große Topcase an einer Tankstelle, um es morgen nach der Tour wieder abzuholen. Die Südrunde beginnt in Shkodra und vor dem Beginn der offroad Strecke halten wir noch an einer kleinen Bar zum Mittagessen.

Jetzt warten 55 km Schotter und Steine auf uns, unterbrochen von einigen schönen Aussichtspunkten über die Bergwelt der albanischen Alpen. Ich beneide die beiden Jungs mit ihren schweren Reiseenduros nicht, zum Teil ist es wirklich Arbeit. Heute freue mich wirklich über meine luftige Crosshose, die nun aber auf der rechten Seite schon wieder leichte Materialschwächen zeigt. Die Motorräder und wir halten tapfer durch und nach einer Flussdurchfahrt erreichen wir punkt 18 Uhr Theth und finden auch schnell ein schönes Quartier. Wenn man auf diesem Weg hierher kommt, hat man wirklich das Gefühl, an einem der abgelegensten und unzugänglichsten Orte Europas zu sein. Daher sind wir über die Anzahl von Gasthäusern und Touristen doch etwas erstaunt. Wir treffen einige Wanderer und Overlander mit grösseren Trucks und Unimogs. Über die Nordroute kann man Theth jetzt über eine sehr gute Strasse erreichen, nur die letzten 16 km sind noch Schotter. Auch heute bekommen wir wieder ein Abendessen in unserer Unterkunft im Garten serviert, toll.

Nach dem Frühstück in der wärmenden Morgensonne machen wir eine kleine Erkundungsrunde zu Fuß und nehmen einen kalten Drink in einer kleinen Berg-Bar. Hier treffen wir die Studentin Carlotta, die am Vortag mit ihrem Rucksack die Bergroute von Valbona genommen hat und jetzt in Theth ankommt, Respekt! Wir fahren weiter zurück Richtung Shkodra, wo wir noch ein üppiges Mittagsmahl haben und David sein Topcase wieder montiert. Uns bleibt allen noch etwas Zeit für Albanien, so beschliessen wir, heute noch bis ans Meer zu fahren und dann weitere Pläne zu machen. Im Strandort Velpodje gibt es sogar einen Campingplatz, wo wir für 2 € je Person übernachten können. Es ist noch warm und trocken, daher verzichten wir aufs Zelt.

Das war ein Fehler, gegen fünf Uhr früh fängt es an zu regnen und es folgt ein heftiges Gewitter. Also schnell alles unter ein Vordach getragen und dort den Sonnenaufgang abgewartet. Wir trinken dann einen Kaffee im Strandcafe und weiter gehts. Wir wollen in den nächsten Ort Shengjin. Die kürzeste Strecke dorthin führt direkt über den Strand, also los. Es geht 8 km über teilweise festen, oft aber auch sehr lockeren und tiefen Sand. Jetzt ist Profil und Motorleistung alles! Mit dem Gewicht weit hinten heizen wir über den fast menschenleeren Strand, der an einer Stelle nur etwa einen halben Meter breit ist. Die Suzi hat manchmal ein paar längere Aussetzer, und ich sehe mich schon 4 km am Strand entlang schieben.

Aber sie hält durch und später tritt das Phänomen auch nicht mehr auf. In Shengjin fahren wir noch ein paar Kreise in den Sand und dann fahren wir wieder zurück Richtung Shkodra. Auf dem Weg gibts das nächste Gewitter und wir verbringen eine Stunde in einer Tankstelle im Cafe. Es klart irgendwann wieder auf und wir wollen heute noch die Küstenstadt Bar in Montenegro erreichen. Ob das klappt und was uns in Bar erwartet erfahrt ihr dann im nächsten Blogeintrag.

 



Reise Infos

VERMOSH / LEPUSHE
Bujtina Lepusha (Guesthouse) www.kelmend-shkrel.org Tel. +382 69 27 79 72, 15,00 € inkl. Abendessen + Frühstück, auch Camping möglich

THETH
Bujtina Harusha schöner Garten, 20,00 € inkl. Abendessen + Frühstück

VELPODJE
Campingplatz am Ortsende direkt an dem kleinen Fluss in einem kleinen Wäldchen, sehr günstig

GELD
Wechselkurs 1 € = 135 LEK, ATM in Shkoder, oft Zahlung in Euro möglich, z.B. Tanken, Unterkunft

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Neuland: Montenegro und Albanien

Zwischendurch kommen jetzt zwei Länder, dich ich noch nicht kenne. Auf diese Etappe bis Griechenland freue ich mich deswegen sehr. Nach einem Stop an einem belebten Strassencafe in der Neustadt von Dubrovnik nehmen wir die letzten Kilometer Küste Kroatiens in Angriff. Nochmal volltanken, dann geht es über die Grenze nach Montenegro. Die Grenzformalitäten sind kaum der Rede wert, Ausweis oder Pass reicht. Unsere Route führt um eine wunderschöne Bucht, sieht auf der Karte zunächst aus wie ein See. Es gibt auch eine Fähre, aber wir entscheiden uns für die Umrundung. Auch die folgende Küstenstrasse erinnert sehr an Kroatien. Sonst können wir nicht viel sagen, wir tauschen kein Geld, kaufen nichts und halten nirgends länger an. Am Nachmittag reisen wir bereits nach Albanien ein. Hier muss auch Versicherungsschein und Fahrzeugschein raus. Nach der Grenze tauchen wir in eine andere Welt ein, als wir einem kleinen Fluss ein Stück weit folgen und dann nach Shkoder fahren um Geld am Automat zu holen. Dieser Ort hat was. Die Stimmung hier ist irgendwie besonders. Die Aktion mit dem Geld holen klappt vorzüglich. Heiko hat die Bank im Navi und ruckzuck fahren wir wieder raus aus dem Ort auf der Suche nach einem Campingplatz. Wir werden schliesslich in Lesce fündig. Aufgrund des günstigen Preises für ein Appartement dort verzichten wir auf den Zeltaufbau und trinken lieber ein erstes Bier am Pool. Wir entdecken den Pizzaofen und fragen nach. Kein Problem, wird sofort frisch zubereitet und schmeckt extrem gut.
Unser erster Abend in Albanien ist schon mal nicht schlecht. Wir trinken im Ort noch ein Bier und gehen dann zurĂĽck zu unserem Appartement mit Internet.

Am Morgen gibt es dann noch zwei “Croissants” im Mini Market und los gehts. Wir haben eine Route ohne Autobahnen Richtung griechische Grenze im Navi. Markus will wahrscheinlich von Igoumenitsa wieder zurĂĽckfahren. Schon bald kommen wir nach Tirana, es ist staubig und heiss. Heute am Samstag kommen wir aber ganz gut durch, der ĂĽbliche Stadtverkehr eben. Hinter Tirana fängt eine tolle Strecke an, die teilweise durch die Berge geht und verschiedenen FlĂĽssen folgt. Die Strassenqualität ist aber bescheiden, so dass wir ständig um Schlaglöcher herumkurven. Das machen alle so und fĂĽhrt zu interessanten Begegnungen. Auf einem TeilstĂĽck in den Bergen steht alle paar Meter jemand am Strassenrand und bietet frische Kirschen an. Polizisten am Wegesrand grĂĽssen uns meist freundlich und es gibt null Probleme. Leider holt uns das schlechte Wetter hier wieder ein. Zunächst konnten wir noch ganz gut ausweichen und den Regen abwarten, aber dann erwischt es uns wieder voll, als wir durch ein langes Flusstal fahren. Vor der nächsten Bergetappe brechen wir fĂĽr heute ab, als die Strasse zum Feldweg wird und sich teilweise in einen reissenden Fluss verwandelt. Hier muss richtig was runtergekommen sein. Die Strasse im Ort ist stellenweise komplett verschlammt und wir fahren durch riesige Wasserlaachen mit den entsprechen hohen Fontänen links und rechts von uns. Nach nur etwa 200 km heute bleiben wir in dem kleinen Ort Gramsh, von dem nun die Welt auch mal erfährt. Der Ort liegt in einem breiten Tal am Ufer des Devoll. Toll. Schon vorher fragt uns jemand aus einem Pickup, ob er uns helfen kann und fährt dann vorneweg zum Hotel und lädt uns dort zu einem Tee ein. Er spricht etwas deutsch, weil er mal in WĂĽrzburg als Koch gearbeitet hat. Es gibt zwei Hotels hier, wovon das erste belegt ist. FĂĽr zwei Doppelzimmer bezahlen wir 6000 Lek, was immerhin 42 Euro sind und fĂĽr Albanien eine ganze Menge Geld. DafĂĽr ist das Abendessen gut und fast geschenkt. Es gibt leckere Suppe, griechischen Salat, Steak mit Pommes und Joghurt mit Honig sowie ein grosses Bier fĂĽr umgerechnet knapp sieben Euro, während im Hotelzimmer bei Aircondition unsere Klamotten ein wenig trocknen. Mal sehen, ob wir morgen weiter nach Griechenland vordringen können.

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