Kurdistan ruft

oder sind wir schon mittendrin? Auf jeden Fall sind wir in Mesopotamien, dem Land zwischen Tigris und Euphrat. Am Abend meines Pausentages in Kahta sprechen wir auf der Strasse mit einem Imam, der perfektes Englisch beherrscht und hier als Englischlehrer nebenbei arbeitet. Er sagt, hier leben etwa 50% Kurden, man spricht tĂĽrkisch oder ein etwas “unechtes” kurdisch und es gibt ĂĽberhaupt keine Probleme miteinander. Aber allgemein wird der Ort wohl noch nicht als richtig kurdisch angesehen. So, jetzt wissen wir bescheid. Er gibt uns noch den Tip, wo wir im Ort die beste Köfte finden, was wir gleich ausprobieren. In der Tat, ein vorzĂĽgliches Abendessen in einem ganz kleinen Laden mit winzigen Holzschemeln auf dem Gehweg. Heiko hat den Tag auf und um den Nemrut Dagi herum verbracht, davon gibts irgendwann später noch ein paar Fotos ergänzt (in diesem Artikel).

Heute müssen wir uns von Theo aus Madrid und auch von Dorotea, einer netten Couchsurferin aus Polen, verabschieden. Theo fährt über Erzurum weiter nach Georgien, wir zunächst zusammen bis Elazig. Wir nehmen die kleine Fähre über den Atatürk Stausee. Wir haben nicht mal eine Minute Wartezeit, es geht sofort los. Auf der anderen Seite geht es wieder in die Berge rauf, trotzdem wird es immer heisser. Die Landschaft bietet nur noch vereinzelt etwas Grün in den Tälern und am Wasser, sonst erinnert es eher an eine Steinwüste. Beim Tanken die übliche Einladung zum Chai, mittlerweile ein festes Ritual. Die folgende kleine Strasse von Siverek nach Ergani (auf meiner Karte nur noch gelb) ist sehr angenehm zu fahren bei fast keinem Verkehr. Wir umfahren ein dickes Gewitter und die Temperatur fällt von 33 auf 26 Grad, herrlich. Entlang des Hazar Stausees gelangen wir nach Elazig, wo sich unsere Wege für kurze Zeit trennen. Heiko fährt heute und morgen weiter bis Trabzon und widmet sich seinem Lieblingsthema Visum. Ich werde es etwas ruhiger angehen lassen und heute in Elazig bleiben. Die 1000 km Umweg nach Trabzon erspare ich mir und meinen Reifen. Stattdessen kann ich vielleicht meinen Fuss etwas besser auskurieren und bin dann im Iran wieder fit.

Auf dem Hügel über der Stadt liegt Harput, eine antike Stätte. Hier gibts aber keine bezahlbare Unterkunft, also geniesse ich nur die Aussicht (Titelfoto) und suche mir ein Hotel in der City. Das finde ich dann auch ganz fix in der Altstadt bei der Moschee, grosses DZ mit Parkplatz im Innenhof für 35 TL.

Interessante Stadt mit immerhin fast 400.000 Einwohnern.

Im Fernsehen bekomme ich von den Unruhen in Istanbul, Ankara und Izmir mit. In Istanbul soll der Gezi Park einem Shopping Center geopfert werden. Inzwischen richten sich die Proteste gegen die als immer autoritärer empfundene Politik der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Schon am Freitag und in der Nacht zum Samstag setzte die Polizei Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfer ein. Später bemerke ich auch in Elazig auffällig viel Polizei und eine merkwürdige Stimmung, als wenn gerade eine Demo gewesen wäre.

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Weiterfahrt zum Nemrut Dagi

Mittwoch, 29.Mai

Frühstück, Zelt abbauen, die übliche Prozedur. Der Start verläuft heute gar nicht gut. Ich fahre die kurze Sandpiste vom Zeltplatz zur Rezeption runter und sehe beim Passieren der Absperrpoller Heikos im Schatten geparktes Motorrad zu spät. Das Ausweichen gelingt nicht mehr und ich ramme ihn mit meinem linken Koffer, beide Maschinen gehen zu Boden. Die BMW fällt auf meinen rechten Fuss und schon nach kurzer Zeit merke ich, dass das gar nicht gut war. Wir kühlen es mit Eis, aber Laufen bleibt sehr schwierig. Ok, erstmal losfahren. Die Strecke ist traumhaft (siehe auch Länder Log), so dass ich den Fuss erstmal fast vergessen kann. Wir fahren in kleine Strasse über Develi, Saraycik nach Göksun. Ein Teil der Strecke ist Baustelle und es wird ein wenig staubig. In Göksun fahren wir in den Ort und kaufen fürs Abendessen ein. Heute wollen wir mal wieder unser Quartier irgendwo in der Pampa aufschlagen und etwas kochen. Bevor wir zum Einkaufen kommen, werden wir in ein Cafe zum obligatorischen chai eingeladen (Foto links). Natürlich spricht auch wieder jemand deutsch hier. Anschliessend kaufen wir Auberginen, Tomaten, Zwiebeln, Brot und etwas Öl lassen wir in eine Filmdose abfüllen. Reis habe ich noch in meiner Kombüse. In der Apotheke kaufe ich ein Gel zum Kühlen. Mit Google Translator finden wir schliesslich was Passendes, eine Tube FASTJEL, sehr lustig.

Unser Nachtlager schlagen wir in der Nähe von Göksun an einem schönen See auf. Zelt brauchen wir nicht, es ist nicht so kalt. Der kurze, unebene Weg vom Motorrad zum Lager macht mir aber erhebliche Probleme. Hoffentlich ist es morgen besser.

Donnerstag, 30.Mai

Die Nacht war angenehm und nicht zu kalt. Nur mein Fuss macht weiterhin Probleme. Als ich erstmal in den Stiefeln bin, ist Fahren aber kein Problem. Zunächst haben wir wieder eine traumhafte Strecke mit vielen Kurven und spannender Landschaft. Die Bergwelt wird hier wesentlich weitläufiger, breite Täler und nicht mehr ganz so grĂĽn wie bisher. Wir werden wieder mal beim Tanken auf einen Chai eingeladen. Der Tee ist schon da, bevor die Zapfpistole nur in die Hand genommen ist… In Kahramanmaras fahren wir kurz in einer Klinik vorbei. Hier geht alles ganz fix, anders als in Istanbul. Ruckzuck stehe ich mit einem Röntgenbild da und habe die Gewissheit, dass nichts gebrochen ist. Kosten: keine. Ich soll aber noch bei einem Orthopädiespezialisten vorbeifahren. Gut. Da wir die Adressse nicht sofort finden, stattdessen aber bei einer anderen Klinik landen, bleibe ich einfach dort. Angeblich will man sich hier gerne meines Fusses annehmen und hat auch alle erforderlichen Spezialisten. Schliesslich will man mir fĂĽr 10 Tage einen Gips verpassen, was ich aber nicht so toll finde. Also lieber Salbe, Pillen, kĂĽhlen und hochlegen, das lässt sich schon irgendwie einrichten. Kosten: nur in der Apotheke.

Der Rest des Tages wird nicht mehr so toll. Die Strecke wird zunehmend langweilig, die Strassen breiter und die Temperatur steigt unaufhörlich. Neuer Rekord, auf freier Strecke zeigt das Thermometer 33 Grad an. Hinzu kommt, dass nicht nur der Fuss bei der Hitze schmerzt (zur Erinnerung: eigentlich war KĂĽhlen angesagt), sondern mir wird auch noch ĂĽbel. Bei einem Stop am Highway kotze ich mich erstmal richtig aus, während Heiko von einer Bauernfamilie eingeladen wird. Ewig später kommt er zurĂĽck, fast mit der Tochter des Hauses verheiratet und schon in die Familie integriert. Er macht auch Fotos, evtl. folgen die noch hier. Während ich am Strassenrand liege, hält Theo aus Madrid an, den wir schon in Göreme im Camp getroffen haben. Er dachte, wir hatten einen Unfall….Zusammen fahren wir alle noch bis Kahta weiter, wo wir im Kommagene Hotel absteigen. Hier kann ich mal einen Tag Pause machen und fĂĽr Heiko ist es bis zum Nemrut Dagi nicht mehr weit.

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