Durch grüne Täler zum Van See

Die Nacht im Hotel Varan war ziemlich laut wegen der Musik in der Kneipe gegenüber. War eine ziemliche Amüsiermeile mit diversen schäbigen Hotels, mehreren Wettbüros, gleich drei Alkshops, einem “Casino” und diversen Fastfood-Buden. Das Wetter ist wieder perfekt nach dem gestrigen Gewitter, also geht es weiter heute. Schon vor zehn Uhr rolle ich aus der Stadt und biege links nach Bingöl ab. Die Strecke heute bietet (zunächst) keine fahrerischen Herausforderungen, führt aber durch eine faszinierende Landschaft mit RIESIGEN Tälern und endlosen Wiesen. Die gut ausgebaute Strasse scheint auch den Rinderherden zu gefallen. An manchen Stellen müssen alle, auch die grossen Trucks, auf der Gegenseite im Slalom um die oft bis zu 30 Viecher drumrumfahren. Man stelle sich das auf einer deutschen Autobahn vor… Meine Kuh wird immer skeptisch beäugt, aber die rote Farbe ist kein Problem :)

In Mus lege ich einen kurzen Dönerstop ein und finde dort auch einen schönen Teegarten. Heute am Sonntag sind irgendwie alle draussen unterwegs. Kurz vor Tatvan mache ich noch einen Abstecher in die Berge. Hinter einem kleinen Bergdorf führt die Schotterpiste noch weiter rauf, aber ich finde statt eines tolles Platzes zum Zelten am Ende nur ein scharf bewachtes Panzerübungsgelände. Hier will ich nun doch nicht zelten. Also wieder eine halbe Stunde zurück bis zur Hauptstrasse.

Heiko ist heute in Trabzon angekommen. Die Visa Story geht weiter!

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Kurdistan ruft

oder sind wir schon mittendrin? Auf jeden Fall sind wir in Mesopotamien, dem Land zwischen Tigris und Euphrat. Am Abend meines Pausentages in Kahta sprechen wir auf der Strasse mit einem Imam, der perfektes Englisch beherrscht und hier als Englischlehrer nebenbei arbeitet. Er sagt, hier leben etwa 50% Kurden, man spricht türkisch oder ein etwas “unechtes” kurdisch und es gibt überhaupt keine Probleme miteinander. Aber allgemein wird der Ort wohl noch nicht als richtig kurdisch angesehen. So, jetzt wissen wir bescheid. Er gibt uns noch den Tip, wo wir im Ort die beste Köfte finden, was wir gleich ausprobieren. In der Tat, ein vorzügliches Abendessen in einem ganz kleinen Laden mit winzigen Holzschemeln auf dem Gehweg. Heiko hat den Tag auf und um den Nemrut Dagi herum verbracht, davon gibts irgendwann später noch ein paar Fotos ergänzt (in diesem Artikel).

Heute müssen wir uns von Theo aus Madrid und auch von Dorotea, einer netten Couchsurferin aus Polen, verabschieden. Theo fährt über Erzurum weiter nach Georgien, wir zunächst zusammen bis Elazig. Wir nehmen die kleine Fähre über den Atatürk Stausee. Wir haben nicht mal eine Minute Wartezeit, es geht sofort los. Auf der anderen Seite geht es wieder in die Berge rauf, trotzdem wird es immer heisser. Die Landschaft bietet nur noch vereinzelt etwas Grün in den Tälern und am Wasser, sonst erinnert es eher an eine Steinwüste. Beim Tanken die übliche Einladung zum Chai, mittlerweile ein festes Ritual. Die folgende kleine Strasse von Siverek nach Ergani (auf meiner Karte nur noch gelb) ist sehr angenehm zu fahren bei fast keinem Verkehr. Wir umfahren ein dickes Gewitter und die Temperatur fällt von 33 auf 26 Grad, herrlich. Entlang des Hazar Stausees gelangen wir nach Elazig, wo sich unsere Wege für kurze Zeit trennen. Heiko fährt heute und morgen weiter bis Trabzon und widmet sich seinem Lieblingsthema Visum. Ich werde es etwas ruhiger angehen lassen und heute in Elazig bleiben. Die 1000 km Umweg nach Trabzon erspare ich mir und meinen Reifen. Stattdessen kann ich vielleicht meinen Fuss etwas besser auskurieren und bin dann im Iran wieder fit.

Auf dem Hügel über der Stadt liegt Harput, eine antike Stätte. Hier gibts aber keine bezahlbare Unterkunft, also geniesse ich nur die Aussicht (Titelfoto) und suche mir ein Hotel in der City. Das finde ich dann auch ganz fix in der Altstadt bei der Moschee, grosses DZ mit Parkplatz im Innenhof für 35 TL.

Interessante Stadt mit immerhin fast 400.000 Einwohnern.

Im Fernsehen bekomme ich von den Unruhen in Istanbul, Ankara und Izmir mit. In Istanbul soll der Gezi Park einem Shopping Center geopfert werden. Inzwischen richten sich die Proteste gegen die als immer autoritärer empfundene Politik der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Schon am Freitag und in der Nacht zum Samstag setzte die Polizei Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfer ein. Später bemerke ich auch in Elazig auffällig viel Polizei und eine merkwürdige Stimmung, als wenn gerade eine Demo gewesen wäre.

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