Über die LGKS ans Mittelmeer

Juli 2016 | Offroadfahren in den Westalpen Nach den ersten Touren von Cuneo aus (siehe voriger Artikel) wollen wir nun die LGKS (Ligurische Grenzkammstrasse) unter die RĂ€der nehmen. Auto, HĂ€nger und mein Zelt bleiben auf dem Campingplatz. Andreas wird das grosse Zelt mitnehmen und ĂŒber die Strasse zum Mittelmeer fahren, da er offroad noch nicht so sicher ist. Rapha und ich fahren also mit einigermassen leichtem GepĂ€ck los. Außer ein paar Klamotten haben wir Wasser und Werkzeug dabei, man weiß ja nie. Über die Serpentinen fahren wir auf der Nordseite zum Tende rauf. Diese Stecke zweigt etwa 1 km vor dem Tende-Tunnel rechts ab. Am Ende der Serpentinen ist eine HĂŒtte und der Asphalt hört auf. Über einen Schotterweg geht es weiter rauf zum Fort Central, wo wir eine kleine Pause einlegen und das Panorama geniessen. Einige Kurven weiter ist am Skilift ein kleiner Checkpoint, wo wir die 10,00 € Maut abdrĂŒcken. Die Strecke ist limitiert auf 80 Autos und 140 MotorrĂ€der pro Tag, heute waren schon ca. 25 MotorrĂ€der vor uns da. Auf der Strecke verliert sich das, nur ab und zu kommt uns mal jemand entgegen. Von den ZustĂ€nden wie manchmal im August sind wir also sehr weit entfernt. Es geht ĂŒber einen Pass und wir passieren einen grandiosen FelsĂŒberhang. Neben der natĂŒrlich nicht gesicherten Piste geht es steil runter, nichts fĂŒr schwache Nerven. Schon bald erreichen wir eins der Highlights der Strecke, die gemauerte Haarnadelkehre am Col de la Boaire. Die Strecke ist relativ einfach zu befahren, aber man ist ja auch genug mit den Ausblicken beschĂ€ftigt. Teilweise geht es durch schattigen Wald, immer wieder vorbei an Aussichtspunkten. Am Ende der LGKS Nord haben wir ca 35 km Schotter gefahren. Wir machen eine kleine Pause unterhalb des Monte Saccarello und ich programmiere die Route fĂŒr die LGKS SĂŒd. Von hier kann man nach Monesi di Triora abfahren.

Der SĂŒdteil der LGKS ist Ă€hnlich lang, aber schwieriger zu fahren. Es gibt einige “teilbefestigte” StĂŒcke, was sich gut anhört, aber in der Praxis gar nicht so toll ist. Zwischen den intakten Stellen klaffen große Schlaglöcher und teilweise ist alles mit grobem Geröll bedeckt, so dass man sich die Spur gut aussuchen muss. Nach einem Abstecher auf den Monte Saccarello folgen wir wieder der Route rauf zum Pas du Tanarel. Der SĂŒdteil geht tiefer durch die Berge, teilweise auch durch Wald und es gibt weniger tolle Ausblicke. Die Schotterstrecke endet kurz vor dem Colla di Langan, von wo wir auf direktem Weg nach Ventimiglia weiterfahren. Unterwegs gibts in einem kleinen Strassenrestaurant noch ein großes Bier, was wir uns jetzt verdient haben.

Das Zelt wartet schon aufgebaut auf dem Camping in Latte auf uns. Vor uns liegt ein Pausentag am Mittelmeer. Am Abend des 14.Juli fahren wir ĂŒber die Grenze rĂŒber nach Frankreich, wo wir in Menton eine gute Zeit mit anschliessendem Feuerwerk haben. Nur wenige Kilometer entfernt in Nizza geschieht der schreckliche Terroranschlag mit dem LkW, bei dem 84 Menschen sterben mĂŒssen. Die grausame Nachricht erfahren wir erst spĂ€ter auf dem Campingplatz.

Der RĂŒckweg nach Cuneo fĂŒhrt mich ĂŒber Breil-sur-Roya, die D91 und weiter ĂŒber die Baisse Peyrefique zum Fort Central rauf. Dies ist eine alternative Schotterpiste ab Casterino durch die Berge zurĂŒck zum Ausgangspunkt der Tour, wo ich die anderen wiedertreffe. Gemeinsam fahren wir nach Cuneo runter, wo unsere 3-Tages Tour zum Mittelmeer zu End geht.


LGKS Infos

Der Nordabschnitt der LGKS startet am Fort Central unweit des Colle di Tenda, wo es von der Anhöhe, auf der das Fort liegt, zunĂ€chst den Hang hinunter geht, wo man auf die Piste der Ligurischen Grenzkammstraße trifft. Der “offizielle Einstieg” zweigt allerdings vom Fort aus gesehen hinter dem HĂŒgel, vor dem die Kasernen liegen, von der Nordrampe des Colle di Tenda ab.
Am km 0.8 passiert man den (gesperrten) Abzweig zum Fort Tabourde, danach geht es durch ein Skigebiet aufwÀrts zu einer namenlosen Scharte. Die Strecken verlÀuft entlang des Kamms, der sich an der italienisch-französischen Grenze hinzieht, nach Osten.
Die wohl meistfotografierteste Passage an der LGKS, die Kehre am Col de la Boaire erreicht man etwa am km 8.0. Der stark ausgesetzte Bogen ist ein herausragendes Beispiel fĂŒr die kĂŒhne Trassierung des alten MilitĂ€rstrĂ€ĂŸchens. Der Pass selbst markiert auch den Übertritt der Strecke auf französisches Territorium.
Hinter dem Col de la Boaire wird der Zustand des Untergrundes schlechter: Auf der auch als »Route Marguareis« bezeichneten Strecke ĂŒber den Colle Malaberghe bis etwa zum km 14.5, wo sich die Piste in sĂŒdliche Richtung wendet, herrscht teilweise sehr grober Schotter vor, es gibt viele ausgewaschene Stellen und auch ein paar kleinere Felstreppen.
Etwa bei km 16,0 passiert man den Col des Seigneurs, wo die Straße wieder auf die italienische Seite der Grenze fĂŒhrt . Etwas unterhalb der Scheitelhöhe liegt hier das 2005 neu aufgebaute Rifugio Barbera. Der daran anschließende Streckenabschnitt, der teilweise aus dem Felsen herausgeschlagen wurde und unter dem Überhang verlĂ€uft, umgeht in einer weiten Kehre die Cima di PĂšrtega. Nachdem man den Colle delle Vecchie (km 20,3) tangiert hat, verĂ€ndert sich die bis dahin baumlosen Hochgebirgslandschaft. Der nun grob in Richtung SĂŒdosten verlaufende Weg verlĂ€uft durch lichte LĂ€rchenwĂ€lder, bis man nach knapp 34 km auf den Abzweig nach Monesi trifft.
Hier kann man sich entscheiden, entweder der LGKS weiter ĂŒber den Passo di Tanarello zu folgen (SĂŒdabschnitt) oder ins Tal abzufahren und z.B. die leichtere Alternativroute ĂŒber den Colle del Garezzo zu nehmen. Nur einen Katzensprung vom Endpunkt des Tracks entfernt liegen das Erlöserdenkmal und die Kuppe des Monte Saccarello.

Der SĂŒdabschnitt der LGKS, der sich zwischen dem Passo di Tanarello und der Colla di Langan erstreckt, unterscheidet sich landschaftlich deutlich vom Nordabschnitt. Im Gegensatz zu den kahlen oder nur grasbewachsenen felsigen HĂ€ngen zwischen dem Colle di Tenda und dem Monte Saccarello verlĂ€uft das ehemalige MilitĂ€rstrĂ€ĂŸchen hier zum großen Teil durch bewaldetes GelĂ€nde.
Der Beginn dieses Tracks liegt an der Kreuzung, an der die von Monesi kommende geschotterte Straße auf die eigentliche Ligurische Grenzkammstraße trifft. Hier befindet zweigt auch der Stich zum Monte Saccarello ab. Man hĂ€lt sich zunĂ€chst sĂŒdlich auf dem bergan fĂŒhrenden Weg und erreicht nach 11 Kehren und etwa 2,5 km den Passo die Tanarello, der mit 2045 m auch der höchste Punkt des SĂŒdteils ist. Es folgt der schwierigste Abschnitt, das reichlich 5 km lange TeilstĂŒck zwischen dem Passo di Tanarello und dem Passo di Collardente, das in der Vergangenheit auch hin und wieder wegen grĂ¶ĂŸerer Rutschungen gesperrt war und an einigen Stellen Felstreppen und groben Schotter aufweist. Am km 7,7 hat man den Passo di Collardente erreicht. Von hier aus kann man ĂŒber eine nach Osten abzweigend, ca. 5 km lange Verbindungstrecke zum Passo della Guardia auf der italienischen Seite abfahren.
Die Colla di Sanson passiert man bei km 11,5 und hat auch hier wieder die Möglichkeit, entweder ĂŒber den Col Linaire nach La Brigue in Frankreich oder ostwĂ€rts zur italienischen Seite hin nach VerdĂ©ggia abzubiegen.
Die LGKS folgt weiter dem Kammverlauf in grob sĂŒdsĂŒdwestlicher Richtung. Etwa bei km 15 passiert man einen nach Westen abzweigenden (gesperrten) Stich zu den Überresten der Forts auf den Gipfeln Cime de Marte und Balcon de Marte, bevor man am km 16,4 den Col Bertrand erreicht. Kurz danach folgen einigen Kehren und der Track verlĂ€ĂŸt den Grenzkamm. Am Colle Melosa (km 21,8) trifft man wieder auf die Spuren der Zivilisation: Der Schotter endet hier und etwa bei km 28,1 trifft man an der Colla di Langan auf die nach Pigna bzw. Triora fĂŒhrende SP 65.

Achtung: Die LGKS Nord soll montags /und dienstags fĂŒr Motorfahrzeuge gesperrt sein!

Quelle: alpenrouten.de

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