Magisches Montenegro – 5 Tage Endurowandern


Nun ist es Zeit für die zweite größere Tour mit der Suzi in diesem Jahr. Nach der super Tour in die Pyrenäen habe ich Lust auf mehr und möchte den Herbstbeginn nochmal für eine ähnliche Tour nutzen. Ich habe etwa 11 Tage Zeit dafür. Ich erinnere mich an die letzte Tour vor zwei Jahren, die mich nach Montenegro und Albanien führte. Dort gibt es noch viel zu entdecken und diesmal bin ich etwas besser vorbereitet.
Mit Auto und Anhänger ist das Ziel entspannt zu erreichen und ich kann mehr Klamotten und Werkzeug etc. mitnehmen. Mein Kombi bietet mir unterwegs auch eine bequeme und sehr flexible Ăśbernachtung bei der Anreise. Ich entschlieĂźe mich fĂĽr die etwas längere Strecke “hintenrum” ĂĽber Ungarn und Serbien, weil ich Serbien noch nicht kenne und mal wieder etwas Neues kennenlernen möchte. Bis Wien finde ich auch leicht zwei nette Mitfahrer, so daĂź die Zeit wie im Fluge vergeht. Meine Route folgt von Wien weiter der Donau nach Budapest und Novi Sad. Am ersten Tag der Anreise schaffe ich es bis etwa nach Belgrad, wo ich auf einem Rastplatz an der Autobahn ĂĽbernachte. Hier gibt es ein Mac Donalds, wo ich mein FrĂĽhstĂĽck mit Kreditkarte zahlen kann und auch kostenloses Wifi habe. Kurz hinter Belgrad verlasse ich die Autobahn sowie die Donau und es geht weiter ĂĽber die gar nicht so schlechten Landstrassen. Ich fahre eine sehr schöne Stecke durch die serbischen Berge ĂĽber Pozega und Uzice. Am späten Nachmittag erreiche ich mein Basislager in Kolasin/Montenegro. In der Privatunterkunft war ich schon vor zwei Jahren. Ich kann Auto und Anhänger wieder im Garten parken und auch fĂĽr die nächsten Tage dort stehen lassen, wenn ich unterwegs bin.

Tag 1

Von Kolasin aus will ich in die von mir geplante Mountainbikerunde einsteigen. Was mit dem Mountainbike geht, sollte auch mit der kleinen Enduro machbar sein, sofern es keine Tragestrecken dabei gibt. Mal sehen… Nach dem Packen der Klamotten aufs Motorrad und in den Rucksack komme ich gegen 10 Uhr endlich los. Zunächst geht es ĂĽber eine ziemlich verdreckte und schlechte Strasse Richtung SĂĽden. Hier baut eine chinesische Baufirma eine neue Strasse samt BrĂĽcken. Beim ersten Fotostop nach ca 30 km fällt mir auf, das hinten am Motorrad irgendwas anders aussieht. Hmm, war da nicht mal ein Kennzeichen dran? Die komplette selbstgebaute Halterung samt RĂĽckstrahler ist weg, shit. Das wird zuhause wieder viel Arbeit. Ich fahre nochmal zurĂĽck in der Hoffnung, das Teil irgendwo zu finden. Fehlanzeige. Bei der Polizei in Kolasin bekomme ich ein schönes Schreiben, dass ich es offiziell verloren habe und wohl so weiterfahren darf. Also gut, zweiter Versuch, zum kleinen Bergsee direkt an der albanischen Grenze zu gelangen.

Nochmal durch die dreckige Baustelle, aber dann wird es echt schön, als es durch einen Wald rauf in die Berge des Komovi Gebirges geht. Vorbei am Katun Mokra über eine steinige Piste einen Pas rauf und steil wieder runter. Dann sieht man schon den See, wow. Ich verbringe hier ein wenig Zeit und geniesse aus mehreren Perspektiven. Absolute Ruhe hier oben, ich fühle mich wie am Ende der Welt. Oberhalb vom See sind ein paar Hütten, die im Sommer bewohnt sind. Jetzt sind nur wenige Menschen hier oben. Beim Weiterfahren winkt mir ein kleiner Junge zu, sonst treffe ich auf der ganzen Strecke niemand. Über die hohen Berge gibt es keinen fahrbaren Weg nach Albanien rüber. Dahinter liegt direkt das Vermosh Tal. Ich hatte den See schon vor zwei Jahren auf der Karte entdeckt und es war klar, dass ich jetzt hier hin muss.

Weiter geht es Richtung Westen, ich habe noch einige Kilometer heute zu machen bis Podgorica. Es folgt eine sehr steinige und kurvige Auffahrt mit vielen tollen Ausblicken. Die Landschaft ändert sich wieder und nach einiger Zeit gibt es wieder die ersten Bäume.

Einige Kilometer vor Podgorica wird das kleine Sträschen etwas breiter und es bietet sich ein guter Ausblick über die Ebene mit der Stadt und dem Shkodra Lake. Hier ist es schon wieder richtig warm, aber jetzt geht es über eine gut asphaltierte Strasse nochmal ein paar hindert Meter runter bis auf 50 m NN. Ich fahre zu dem mir schon bekannten Hostel in der Altstadt, wo ich das letzte Bett bekomme. Schnell raus aus den Klamotten, es ist wirklich heiß hier. Ohne den Umweg für die Nummernschildsuche waren es 100 km heute, davon aber auch einiges über Asphalt. Abends kann man noch im T-Shirt draußen sitzen und alle scheinen das auch zu tun, in der Stadt ist richtig was los. Am Uhrturm gibt es ein Restaurant (Pod Volat) mit großem Garten, wo ich sehr gut und preiswert esse. Auf der anderen Seite des kleinen Flüsschens Ribnica ist die Neustadt, wo ich in der Kneipenstrasse noch was trinken gehe.

 

 

 

 

 

 

Tag 2

Von Podgorica breche ich früh auf. Für heute habe ich kein Etappenziel, mal sehen, wie es läuft. Bis Danilovgrad ist die Strecke flach, von dort führt ein kleines Sträschen weit in die Berge rauf. Hier möchte ich wirklich nicht mit dem Mountainbike rauf müssen. Nach einigen Kilometern hört der Asphalt auf und es geht durch einen schönen Wald. Ich komme an einem weiteren Katun und an einem Bergsee vorbei. Die Piste wechselt immer zwischen Stein, Schotter und Gras, alles ganz gut fahrbar.
Weiter führt meine Route über ein Hochplateau mit schönen Wiesen. Der Weg geht über sanfte Hügel auf und ab, hier kann man es richtig gut laufen lassen. Enduro und Fahrer fühlen sich sauwohl hier. Aber irgendwann bekomme ich doch etwas Hunger. Der Blick auf den Tacho sagt mir, dass ich mal über Tanken nachdenken sollte. Für den Notfall hab ich noch die 1,5 Liter extra im Gepäck. Der Himmel wird etwas dunkler und ich bekomme ein paar Regentropfen ab. Auf dem Navi sehe ich einen kleinen Ort, das wäre eigentlich ein gutes Etappenziel für heute. 180 km größtenteils offroad sind dann auch genug. Der Ort heisst Savnik und hat sogar ein Hotel. Eine andere Alternative sehe ich auch nicht, auch mein Abendessen gibts dort, übrigens sehr lecker.
Das Doppelzimmer ist okay und am nächsten Morgen gibt es noch ein leckeres Frühstück. Für 22,00 € ist das absolut in Ordnung. Direkt nebenan ist eine kleine Tankstelle, so dass die dritte Etappe nun beginnen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 3

Frisch aufgetankt geht es wieder die Strasse hoch, wo ich gestern die Route verlassen habe. Eine interessante Schotterpiste führt oberhalb des sehr tiefen Nevidio Canyons entlang. Dieser kann nur mit Canyoning bezwungen werden. Später sehe ich den Komarnica-Stausee unten im Tal. Ich durchquere das Krnovo Plateau, das ausgedehnteste Grasland Montenegros.

Nach einer weiteren Talquerung mit steinigem Aufstieg gelange ich zum Durmitor Nationalpark. Weiter geht’s auf der SĂĽdseite dr Durmitor Rundstrecke durch den Park. Dieser Rundkurs ist mittlerweile komplett asphaltiert und ich treffe hier auf andere Motorradfahrer und Autos. Leider beginnt es hier oben auf knapp 2000 m etwas zu regnen und die Sicht auf die umliegenden Berge ist etwas eingeschränkt.

Aber das hat zugleich auch etwas Magisches, wenn plötzlich ein neuer Felsriese im Nebel auftaucht. Ich lasse mir Zeit, da es zu meinem Etappenziel bis Zabljak nicht mehr so weit ist. Ein etwas erholsamer Tag ist auch mal nicht schlecht. Auf der Ostseite des Parks erreiche ich dann auch schon bald Zabljak, wo ich mir diesmal ein Privatzimmer fĂĽr 15 € nehme. Den verbleibenden Nachmittag nutze ich fĂĽr einen Spaziergang in die Umgebung. Mein Abendessen gibt’s heute wieder in der Krcma Nostalgija, einer HolzhĂĽtte, wo ich auch vor 2 Jahren schon lecker gegessen habe.

 

 

 

 

 

 

 

Tag 4

Für den letzten Tag meiner Runde gibt es heute noch ein besonderes Highlight: die Fahrt über die Sinjavina Hochebene, umgeben von verschiedenen Höhenzügen. Die Route führt durch weitgehend menschenleeres Gebiet ohne Mobilfunkempfang. Die mondähnliche Landschaft wird durch den bewölkten, aber interessanten Himmel noch stärker betont.

Mehrere Stunden bin ich hier unterwegs und treffe niemanden. Fast niemanden, denn hinter einer Kuppe kommen mir plötzlich zwei Jungs aus Tschechien auf ihren Quads entgegen. Es sind Vater und Sohn auf einer längeren Reise durch den Balkan. Wir tauschen ein paar Travelstories aus und weiter geht’s. Ich komme an einigen verlassenen Katuns vorbei. Hier und da steht ein verfallenes Haus, immer ein gutes Fotomotiv in dieser monotonen, aber doch so faszinierenden Landschaft. BloĂź keine Panne hier, das wird ein weiter FuĂźmarsch!

Nach vielen weiteren Steinpisten, Höhenzügen und Schotterabfahrten erreiche ich so eine Art Felsentor. Dahinter ändert sich die Landschaft schlagartig und es geht in Serpentinen in ein langes Tal runter. Es gibt plötzlich wieder große Bäume und einige Zeit später tauchen erste Häuser auf. Die Strecke wird besser und irgendwann erreiche ich kurz vor Kolasin die Hauptstrasse. Kurze Zeit später ist Suzi wieder aufgetankt und ich sitze im Heck meines Kombis und ziehe mich um. Das ist schon etwas irreal. Gerade noch auf dem Mond gewesen und jetzt gibt es wieder Bier, Benzin, Handyempfang und Wifi. Die nächste Nacht ist Gartencamping angesagt, ich schlafe komfortabel im Auto.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 5

Es gibt nach der erfolgreichen Vollendung meines Loops noch einen Bonustag. Das Wetter soll noch gut bleiben und ich habe eigentlich auch noch Zeit. Ich beschliesse, eine andere Route von Kolasin aus zu nehmen, die durch den Biogradska Gora Nationalpark führt. Daraus könnte man eine schöne Tour für 2 Tage basteln. Auto und Anhänger dürfen noch im Garten bleiben. Nach dem Frühstück aus meiner Stammbäckerei Pekara Bambi 5 geht es dann auch gleich los. Von Kolasin führt der Weg nach Osten in Richtung Skigebiet Bjelasica. Auch hier wird gebaut. Nur mit etwas Mühe kann ich einen Bagger passieren, der um sich herum riesige Erdhaufen vermischt mit großen Steinen angehäuft hat. Das hätte ich mit der BMW nicht geschafft, soviel ist sicher.


Das Schottersträschen windet sich hinauf in die Berge, vorbei am Katun Vranjak. Hier bin ich wieder in der hochalpinen Zone mit genialen Ausblicken. Ich biege nicht ab zum Biogradska jezero sondern fahre runter zum Sisko jezero, dort war ich vor zwei Jahren auch schon.

Diesmal geht es weiter Richtung Norden, wieder viele Schotterkurven, Wälder und Grasland. Über Tomasevo geht es in ein Gebiet namens Sokolac. Auf einem Berg mache ich wegen der tollen Aussicht eine Pause und geniesse die Sonne. Die dunklen Wolken sind noch weit weg und werden von mir weitgehend ignoriert. Aber schon bald zieht es weiter zu und ich finde mich unter einem Baum wieder, den heftigen Regen abwartend. Danach hat sich der Schotterweg im Tal in einen Bach mit riesigen Pfützen verwandelt. Aber aufgrund des steinigen Untergrunds fährt es sich hier immer noch ganz gut. Nach Barice gelange ich auf das Kosanica Plateau, von wo es auf der Strasse zur großen Tara Brücke weitergeht. Hier mache ich eine kurze Fotopause und überlege, wie es weitergehen soll. Bis Zabljak wäre es jetzt nur noch Strasse. Ich entscheide mich aufgrund des wechselhaften Wetters für die Rückfahrt entlang der Tara nach Kolasin. Mein Sprit müsste gerade noch soweit reichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reise Infos

KOLASIN
Privatunterkunft Lidija Rakocevic www.apartments-rakocevic.me, Tel. +382 67 401 416

PODGORICA
Hostel Montenegro Tel. + 382 69 039 751, e-mail: montenegrohostel@gmail.com, www.montenegrohostel.com
Restaurant Pod Volat 1 Trg Vojvode Bećira Osmanagića (am Uhrturm), Tel. +382 69 618 633

SAVNIK
Hotel Dokovic Doppelzimmer 22,00 € inkl. Frühstück

ANREISE
Vignette Österreich 10 Tage 9,00 €, Vignette Ungarn 10 Tage 9,00 €, Maut Serbien bis Belgrad ca. 7,00 €, Strecke bis Kolasin 1.675 km

In Kolasin nehme ich mir für die letzte Nacht dort ein Zimmer in einem anderen Gästehaus. Für 22,00 € bekomme ich ein Top Zimmer inklusive Super Frühstück. Mein Auto kann hier auch im Hof parken, perfekt. Hier treffe ich Christopher und Christian, zwei Biker aus Österreich. Wir gehen am Abend zusammen essen und erkunden noch die Kneipenwelt von Kolasin. In einem Cafe gibt es Livemusik vom Feinsten, also trinken wir noch das ein oder andere Bier hier.

Am nächsten Tag geht es über Landstrassen durch Serbien zurück. Früh morgens überquere ich die Grenze nach Ungarn an einem kleinen Übergang (ca. 30 Minuten Wartezeit). Nach meinem Frühstück in Szeged fahre ich weiter nach Budapest, wo ich noch 2 Nächte bleibe und ins normale Touristenleben eintauche, bevor es wieder zurück geht. Eine sehr vielseitige Tour mit vielen tollen Erlebnissen!

#Endurowandern #Montenegro


Septembertour – Montenegro (2)

Irgendwann lässt der Regen schliesslich nach und wir verlassen das Cafe bei der Tankstelle. Wir fahren die Hauptstrasse nach Shkoder rein und machen dort noch einen kleinen Stop in der Stadt. In der Nähe der Moschee gibt es sogar eine schicke Fussgängerzone mit vielen Läden und Cafes. Meine Suzi ist wieder bockig und will nicht anspringen. Also wieder mal anschieben und weiter gehts. Wir fahren die schöne kleine Strasse Richtung Küste zur Grenze nach Montenegro. Hier war ich vor drei Jahren schon mit der BMW auf dem Weg in den Iran langgefahren. An viele Stellen erinnere ich mich noch gut. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Stadt Bar und fahren in den Sonnenuntergang zur Küste runter. Wir finden ein Gebiet mit vielen Appartements und werden uns nach kurzer Verhandlung mit einem Eigentümer einig. Unsere einfache Unterkunft mit Parkplatz im Hof kostet 8,50 € je Person, das ist günstig für eine Stadt dieser Größe. Wir essen direkt in der Nachbarschaft in einem Biergarten mit guter lokaler Küche. Danach folgt ein kleiner Spaziergang in die City, wo es erstaunlich gute Kneipen und Cafes gibt.

Direkt neben unserer Unterkunft gibt es eine Bäckerei, wo wir uns das FrĂĽhstĂĽck besorgen. Ein letztes gemeinsames FrĂĽhstĂĽck im Hof, dann verabschiede ich mich von den beiden und fahre allein weiter Richtung Dubrovnik. Ich finde eine sehr kleine Strasse von Bar direkt in die Berge rauf und beschliesse, heute mal nur solche “Backroads” durch die Berge zu fahren. Da ich noch genug Zeit habe, steuere ich fĂĽr heute mal die Hauptstadt Podgorica an. Dabei komme ich bei Vippazar noch einmal ganz nah an den Shkoder Lake dran. Weiter geht es ĂĽber kleinste Strassen ganz um die Bucht herum, bis ich später auf die M23 stoĂźe. Mitten in den Bergen sehe ich ein kleines Schild “Honey Trails and Tales”.

Ich folge dem kleinen Weg für etwa 2 km und lande auf einem großen Anwesen. Ich werde von einem netten Mann begrüßt, der mir dann stolz seinen Weinbau und die Obstgärten zeigt. Ich probiere sehr viele von seinen 42 verschiedenen Traubensorten und natürlich auch verschiedene Schnäpse, die er selber brennt. Wirklich gut! Am Ende kaufe ich noch ein Glas Honig und fahre sehr entspannt zu meiner Route zurück. Schon bald taucht Podgorica vor mir auf und ich beschliesse, trotz der noch frühen Uhrzeit mir ein Quartier zu suchen und die Stadt zu erkunden. Leichter gesagt als getan. Keine POI im Navi und ich finde auch keinerlei Schilder für Privatzimmer. In einem Wohngebiet auf einem kleinen Hügel halte ich an. So bekomm ich Suzi auch ohne fremde Hilfe auch wieder zum laufen. Als ich am Handy nach einer Unterkunft suchen will, bietet mir jemand an, doch sein privates WLAN zu nutzen. Perfekt.

Er arbeitet in der Kirche gegenüber und schlägt mir vor, im Garten der Kirche auf dem perfekten Rasen mein Zelt aufzuschlagen. Einen solchen Campingplatz hatte ich auch noch nicht. Aber ich schaue zum Himmel und lehne das nette Angebot lieber an. Der nächste Regen ist nicht mehr weit. Ich notiere mir die Adressen von 2 Hostels und fahre per Navi dorthin, finde aber nichts. Niemand kennt das Hostel, dabei ist es nicht weit weg. Die Strassennamen wurden wohl mal geändert. Ich gebe aber nicht auf und finde es schliesslich doch. Das hat sich gelohnt, das Hostel in der Altstadt ist wirklich prima. Zu Fuß kann ich von hier über eine alte Steinbrücke in die Neustadt gehen, die auf der anderen Seite eines kleinen Flusses liegt. Ich habe vorher auf meiner Motorradrunde durch die Stadt schon das Kneipenviertel entdeckt und verbringe dort nun einen netten Abend mit Pizza und einigen Bier.

Am nächsten Morgen gehe ich nochmal in die City, um meine Crosshose mal wieder reparieren zu lassen. Diesmal ist an der kritischen Stelle rechts ein langer Riß und ein paar kleine Löcher. Um 12 Uhr kann ich die Hose abholen, diesmal kostet es fünf Euro. Perfekt. Die heutige Etappe ist nicht sehr lang. Es geht über Cetinje um den Nationalpark Lovcen herum. Die Strasse P1 ist wieder ganz nach meinem Geschmack, aber leider beginnt es schon wieder zu regnen. Also Regenjacke an und durch. Auf die Bergstrecke bei Cekanje kann ich mich gerade noch durchmogeln, eigentlich ist die Strecke schon gesperrt. Ich vermute, es soll etwas gesprengt werden. Am anderen Ende der langen Baustelle (endlich wieder Schotter und Steine) versperren grosse Felsen den Autos den Weg. Kurz vor der Abfahrt ins Tal werde ich dann richtig nass und flüchte mich später in Njegusi in ein Gasthaus. Dort ist Stromausfall und ich esse bei Kerzenschein im fast dunklen Raum.

Zum Abschied darf mich der Kellner anschieben und es folgt die Serpentinenstrecke runter nach Kotor. Dort ist mir zuviel Trubel und ich suche mir ein günstiges Nachtquartier in Risan. Zum Frühstück fahre ich nochmal zurück nach Pergast, wo es morgens noch sehr friedlich und ruhig ist. Von dort fahre ich meine letzte Etappe zurück zum Campingplatz in Mlini, wo ich Michal gerade noch beim Zeltabbau treffe. Die beiden waren gestern schon hier und fahren heute weiter nach Mostar. Meine Tour geht jetzt mit dem Auto weiter, entlang der wunderschönen kroatischen Küste zurück nach Hause.

Reise Infos

BAR
Pod Lozom Restaurant http://en.podlozom-bar.com Tel. +382 30 350 007, Ilino 6, 85000 Bar

PODGORICA
Hostel Montenegro tel. + 382 69 039 751, e-mail: montenegrohostel@gmail.com, www.montenegrohostel.com
Bar “Berlin” Njegoseva, 24, https://de-de.facebook.com/Cafe-Berlin-639643132804683/

RISAN
Apartmani Vikovic nette EigentĂĽmer, +382 69 233 270

MLINI (Kroatien)
Camping Kate Tupina 1, 20207 Mlini, Hrvatska, +385 20 487 006, http://www.campingkate.com, gĂĽnstiger als in Dubrovnik


Septembertour – Montenegro (1)

Schnell noch zwei Wochen Urlaub zusammengekratzt, Anhänger gemietet und ab in den wilden Balkan. Samstag abend geht es schon los. Nach einer Nacht im Auto erreiche ich am Sonntag abend meinen Campingplatz in Mlini, das ist kurz hinter Dubrovnik. Dort bleiben Auto und Hänger nun stehen und es geht mit der Suzi weiter. Fürs Gepäck habe ich mir eine Fahrradtasche besorgt, die ich einfach übers Heck werfe und ein wenig verzurre. Mal sehen, ob sich das bewährt. Nach der Grenze zu Montenegro lasse ich die Bucht von Kotor schnell hinter mir und fahre ab Risan eine kleine Strasse in die Berge rauf.
Der Regen hat sich noch nicht ganz aus der Region verzogen und einmal werde ich gut nass. Über Niksic erreiche ich über meist gute Strassen den Durmitor Nationalpark. Auf einem der vielen Katuns (Wiesen mit Schäferhütten, siehe Titelfoto) hätte ich gerne übernachtet, aber das nächste Gewitter zieht schon wieder auf. Stattdessen fahre ich weiter nach Zabljak, dem Ausgangsort für den Nationalpark. Hier gibt es unerwartet viele Hotels und Gasthäuser. Ich finde ein Zimmer in einem Hostel (Hikers Den). Ein leckeres und günstiges Abendessen in der Nachbarschaft rundet den Tag ab. In der Nacht regnet es weiter, aber morgens ist es trocken. Ich mache eine kleine Morgenwanderung zum Black Lake, den ich um halb acht noch ganz für mich allein habe. Nach dem Regen der Nacht ist alles noch neblig und feucht und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch den Wald.

Während später eine alte Dame fĂĽr 2 € meine Crosshose repariert, mache ich eine kleine Endurotour runter in die Tara-Schlucht. Das sind etwa 1000 Höhenmeter ĂĽber einen kurvigen Waldweg. Endlich offroad! Hier ist wirklich der Weg das Ziel, unten gibt es auĂźer herrlich blau-grĂĽnem Wasser nichts zu sehen. Knapp zwei Stunden später ist die Hose fertig und meine Reise geht weiter. Ich mache einen Stop an der BrĂĽcke ĂĽber die Tara-Schlucht und fahre dann entlang der Tara weiter nach SĂĽdosten. Es ist ĂĽbrigens der zweitgrößte FluĂźcanyon nach dem Grand Canyon in den USA, wer hätte das gedacht… Heute geht es noch bis Kolasin, wo ich fĂĽr 15 € ein prima Privatzimmer finde. Nach einem netten Abendessen mit einem Biker-Pärchen aus Polen geht es nun am Mittwoch wieder etwas mehr offroad weiter.

Nach einigem Ăśberlegen entscheide ich mich fĂĽr einen Biketrail durch den Biogradska Naturpark. Die Idee dazu hatte ich von Google maps, wo dieser mit TT3 eingezeichnet ist. An einem Kassenhäuschen zahle ich 3 € und frage, ob ich da wirklich mit dem Motorrad rein darf. “Ja klar, wenn du Enduro fahren kannst, kein Problem”. Nun gut. Anfangs sind noch einige Wanderer unterwegs, als ich mich einen steilen Waldweg mit Steinen und vielen engen Kehren hochkämpfe. Oben gibt es dann eine Wiese mit einer Art AlmhĂĽtte, wo ich zu Brotzeit und kaltem Drink sehr nett von Dajana empfangen werde. Weiter geht es ĂĽber Wiesen und Feldwege den Grat hinauf und auf der anderen Seite runter Richtung Lubnica / Berane. Ich mache noch einen Abstecher zu einem schönen See und halte dort Mittagsrast.

ZurĂĽck zum Hauptweg geht es ĂĽber wirklich kleine Pfade quer durch den Wald, aber mit der Suzi alles kein Problem. ZurĂĽck auf der Strasse, geht es ĂĽber Plav und Gusinje zur Grenze nach Albanien. Das wirklich dicke Gewitter droht schon wieder hinter den Bergen, aber irgendwie kann ich hoffentlich entkommen. Weiter geht die Geschichte im nächsten Blogeintrag “Albanien”.

 

 

 

Reise Infos

ZABLJAK
Hostel Hikers Den www.hostelzabljak.com DZ 28,00 € (relativ teuer), bieten auch Canyoning und Rafting Touren an.
Krcma Nostalgija (Restaurant in Blockhütte), Vuka Karadžića, günstige und gute regionale Küche.

KOLASIN
Gorica Privatzimmer +382 67 345538, schöner Garten, DZ 15,00 €
Imanje Janketica (AlmhĂĽtte) Nationalpark Biogradska Gora, www.facebook.com/Imanje-Janketica-196917563998653/ Tel. +382 679167


Neuland: Montenegro und Albanien

Zwischendurch kommen jetzt zwei Länder, dich ich noch nicht kenne. Auf diese Etappe bis Griechenland freue ich mich deswegen sehr. Nach einem Stop an einem belebten Strassencafe in der Neustadt von Dubrovnik nehmen wir die letzten Kilometer Küste Kroatiens in Angriff. Nochmal volltanken, dann geht es über die Grenze nach Montenegro. Die Grenzformalitäten sind kaum der Rede wert, Ausweis oder Pass reicht. Unsere Route führt um eine wunderschöne Bucht, sieht auf der Karte zunächst aus wie ein See. Es gibt auch eine Fähre, aber wir entscheiden uns für die Umrundung. Auch die folgende Küstenstrasse erinnert sehr an Kroatien. Sonst können wir nicht viel sagen, wir tauschen kein Geld, kaufen nichts und halten nirgends länger an. Am Nachmittag reisen wir bereits nach Albanien ein. Hier muss auch Versicherungsschein und Fahrzeugschein raus. Nach der Grenze tauchen wir in eine andere Welt ein, als wir einem kleinen Fluss ein Stück weit folgen und dann nach Shkoder fahren um Geld am Automat zu holen. Dieser Ort hat was. Die Stimmung hier ist irgendwie besonders. Die Aktion mit dem Geld holen klappt vorzüglich. Heiko hat die Bank im Navi und ruckzuck fahren wir wieder raus aus dem Ort auf der Suche nach einem Campingplatz. Wir werden schliesslich in Lesce fündig. Aufgrund des günstigen Preises für ein Appartement dort verzichten wir auf den Zeltaufbau und trinken lieber ein erstes Bier am Pool. Wir entdecken den Pizzaofen und fragen nach. Kein Problem, wird sofort frisch zubereitet und schmeckt extrem gut.
Unser erster Abend in Albanien ist schon mal nicht schlecht. Wir trinken im Ort noch ein Bier und gehen dann zurĂĽck zu unserem Appartement mit Internet.

Am Morgen gibt es dann noch zwei “Croissants” im Mini Market und los gehts. Wir haben eine Route ohne Autobahnen Richtung griechische Grenze im Navi. Markus will wahrscheinlich von Igoumenitsa wieder zurĂĽckfahren. Schon bald kommen wir nach Tirana, es ist staubig und heiss. Heute am Samstag kommen wir aber ganz gut durch, der ĂĽbliche Stadtverkehr eben. Hinter Tirana fängt eine tolle Strecke an, die teilweise durch die Berge geht und verschiedenen FlĂĽssen folgt. Die Strassenqualität ist aber bescheiden, so dass wir ständig um Schlaglöcher herumkurven. Das machen alle so und fĂĽhrt zu interessanten Begegnungen. Auf einem TeilstĂĽck in den Bergen steht alle paar Meter jemand am Strassenrand und bietet frische Kirschen an. Polizisten am Wegesrand grĂĽssen uns meist freundlich und es gibt null Probleme. Leider holt uns das schlechte Wetter hier wieder ein. Zunächst konnten wir noch ganz gut ausweichen und den Regen abwarten, aber dann erwischt es uns wieder voll, als wir durch ein langes Flusstal fahren. Vor der nächsten Bergetappe brechen wir fĂĽr heute ab, als die Strasse zum Feldweg wird und sich teilweise in einen reissenden Fluss verwandelt. Hier muss richtig was runtergekommen sein. Die Strasse im Ort ist stellenweise komplett verschlammt und wir fahren durch riesige Wasserlaachen mit den entsprechen hohen Fontänen links und rechts von uns. Nach nur etwa 200 km heute bleiben wir in dem kleinen Ort Gramsh, von dem nun die Welt auch mal erfährt. Der Ort liegt in einem breiten Tal am Ufer des Devoll. Toll. Schon vorher fragt uns jemand aus einem Pickup, ob er uns helfen kann und fährt dann vorneweg zum Hotel und lädt uns dort zu einem Tee ein. Er spricht etwas deutsch, weil er mal in WĂĽrzburg als Koch gearbeitet hat. Es gibt zwei Hotels hier, wovon das erste belegt ist. FĂĽr zwei Doppelzimmer bezahlen wir 6000 Lek, was immerhin 42 Euro sind und fĂĽr Albanien eine ganze Menge Geld. DafĂĽr ist das Abendessen gut und fast geschenkt. Es gibt leckere Suppe, griechischen Salat, Steak mit Pommes und Joghurt mit Honig sowie ein grosses Bier fĂĽr umgerechnet knapp sieben Euro, während im Hotelzimmer bei Aircondition unsere Klamotten ein wenig trocknen. Mal sehen, ob wir morgen weiter nach Griechenland vordringen können.